Wir geben nicht auf!

Und wir machen es den Mördern jeden Tag schwerer, weiterzumachen wie bisher!

Grabrede, an einem symbolischem Sarg auf der Mahnwache in Hamburg gehalten durch Eckhard Kretschmer

Liebe Freunde dieses verstorbenen Rumänischen Strassenhundes , Liebe Hinterbliebene, Liebe Überlebende Wir tragen hier symbolisch einen Hund zu Grabe, Einen Hund, der bis vor wenigen Tagen noch lebte, einen Hund, der bis vor wenigen Wochen noch frei und glücklich das Leben lebte, in das er hineingeboren worden war, das Leben eines freien Strassenhundes. Eines Hundes, der vielleicht nicht auf einem Sofa schlafen darf, eines Hundes, der vielleicht nicht in einer geheizten Wohnung leben darf, Eines Hundes, der sich jeden Tag sein Futter suchen – und vielleicht auch erkämpfen muss, aber eines Hundes, der gesund, und sehr warscheinlich ohne jemandem etwas zuleide zu tun, sein Hundeleben gelebt hat. Eines Hundes, der niemandem etwas wegnahm oder streitig machte, Eines Hundes, der nicht verdient hat, die letzten Tage seines Lebens so verbringen zu müssen, wie er es wohl hat. Eines Hundes, der mit Sicherheit nicht so gestorben ist, wie wir es für unsere Hunde oder auch für uns selbst wünschen würden.

Dieser Hund hat zweimal im Leben richtig Unglück gehabt!

Dieser Hund wurde ins nachkommunistische Rumänien geboren. Und dieser Hund wurde eingefangen, im Lager gequält, und dort dann getötet. Und dieser Hund wurde Opfer einer Stimmungsmache nach dem vermeidbaren Tod eines kleinen Jungen. Schuld war er daran nicht. Schuld war garkein Strassenhund daran. Schuld war genaugenommen überhaupt kein Hund. Denn das Kind war, so weiss man heute, ungeschützt und unbeaufsichtigt auf ein eingezäuntes Privatgrundstück eingebrochen. Warum hat seine Grossmutter seine Abwesenheit 2 Stunden lang nicht bemerkt? Man sagt, es lag an dem Bier, das sie in dieser Zeit zu sich nahm Warum hat dieses Kind den Entschluss gefasst, in ein mit Wachunden gesichertes Gelände einzudringen? War sein Ball dort hinein geflogen? Ein Ball ist auf den Bildern der Überwachungskameras nicht zu sehen. War es ein kleines Kind auf der Suche nach einem grossen Abenteuer? Haben ihm seine Eltern nicht anerzogen, Respekt vor fremdem, Eigentum, fremden, eingezäunten Grundstücken zu haben? Ist es Zufall, daß der Vater des Kindes in geschäftlicher Beziehung zum Eigentümer des Grundstückes gestanden hatte?

Das Kind ist für mich unschuldig gestorben.

Ein Kind ist IMMER unschuldig

Die Eltern tun mir leid. Sie werden sich viele Vorwürfe machen. Gerüchte und Ungereimtheiten zu bewerten, steht mir, steht uns nicht zu. Und sie werden mit der Grossmutter intensiv gesprochen haben.

Eine grosse Frage beschäftigt mich – beschäftigt uns alle:

Was hat der Tod dieses kleinen Jungen, diese Ionut Anghel mit dem armen Hund zu tun, der hier vor uns symbolisch im Sarg liegt? Was hat der Tod des kleinen Jungen mit dem Tod von tausenden von unschuldigen Strassenhunden zu tun, die nicht nur in Bukarest, sondern auch in unzähligen anderen Rumänischen Städten seitdem getötet wurden zu tun? Hier findet ein Massenmord statt! Hier findet ein Gemetzel statt! Hier findet eine der grösseren Ungerechtigkeiten der nachkommunistischen Zeit in Rumänien statt!

Wem nützt dieses Gemetzel?

  • Kindern? NEIN. Es gab auch vorher so gut wie keine Beissvorfälle auf Spielplätzen.
  • Im Gegenteil! Sie werden traumatisiert wenn sie das Einfangen und Deportieren ihrer Spielgefährten direkt vor ihren Augen erleben!
  • Sie müssen das alles verarbeiten.
  • Sie müssen damit leben, daß in wenigen Jahren, wenn die kleinen, harmlosen Hunde alle weggefangen wurden, die unkastrierten, schwer zu fangenden Hunde eine wirkliche Gefahr darstellen werden.
  • Und sie könnten sich zu gefühllosen, hartherzigen Mitbürgern entwickeln, die aufgrund ihrer anerzogenen Brutalität und fehlenden Empathie selbst zu einer Gefahr für Mensch und Tier in ihrer Umgebung werden

Den Bürgermeistern?

  • weil in einem korrupten Land bei Auftragsvergaben oft „Freunde“ bevorteilt werden die dann an sie schwarz „Provisionen zahlen“
  • weil Freunde der Familie so zu materiellem Wohlstand gelangen können ohne „wirklich zu arbeiten“
  • weil sie kurzfristig die Quote der Beissvorfälle senken können (Aber nur kurzfristig)
  • weil sie so das Image eines Saubermannes, eines Mannes der Tag aufbauen können

    Den Hundefängern

  • weil sie eine sichere Einnahmequelle auf Jahrzehnte haben
  • weil sie intensiv betrügen können, ohne dass das auffällt indem sie z.B.
    • Futter nicht kaufen oder vorhandenes verkaufen anstatt zu verfüttern und das Geld einstecken
    • Notwendige und vorgeschriebene medizinische Behandlungen nicht durchführen und das Geld einstecken
    • Sich auch für Hunde auszahlen lassen, die sie bei Einbrüchen erbeutet haben
    • Medikamente und Tierärzte für Tötungen abrechnen, die sie nicht in Anspruch genommen haben und das Geld einstecken
    • Stattdessen werden die Hunde dann schlicht per Elektroschock, per Schlag, und durch dafür ungeeignetes Personal getötet

Alle diese Profiteure an der Hundetötung müssen sich fragen lassen, welche Interessen sie wirklich treiben

Lieber toter Rumänischer Strassenhund! Wir haben Deinen Tod nicht verhindern können! Wir haben Deinen Mördern nicht in den erhobenen Arm fallen können! Wir haben denjenigen, die Deine Mörder bestellt haben, noch nicht genug entgegensetzen können! Wir stehen hier Traurig – Verzweifelt – Müde – Hoffnungslos zum Teil, Vor Deinem Sarg Und wir müssen sehen: Wir können Dir nicht versprechen, daß keiner Deiner Freunde mehr sterben wird. Aber wir geben nicht auf! Wir versprechen es Dir:

Und wir machen es den Mördern jeden Tag schwerer, weiterzumachen wie bisher!

Wir tun alles, was in unserer Macht steht! Und wir suchen nach Verbündeten in der Politik! Und wir stützen die Tierschützer in Rumänien! Das! Versprechen wir Dir!

  • Und Du! Löse Dich von uns!
  • Löse Dich von dieser Welt!
  • Löse Dich von Deinem kleinen verwundeten schmerzenden Körper,
  • Löse Dich von den Erinnerungen an Hunger, Durst, Angstschreie, Geruch nach Angst
  • Löse Dich von Deinem kleinen pelzigen Körper und verlasse ihn

Befreie Dich – und gehe über das, was manche die Regenbogenbrücke nennen! Du wirst sehen – mit jedem Schritt fällt das Gehen wieder leichter! Nach kurzer Zeit wirst Du laufen Dann wirst Du springen Dann wirst Du wieder toben Du wirst alle Deine Freunde aus deinen Glücklichen Tagen wieder treffen Du wirst viele Deiner Leidensgefährten aus dem Shelter wieder treffen, die vor- oder mit Dir ermordert wurden

Du wirst frei sein!

Schmerzfrei – Angstfrei – Einfach frei! Mach es gut, kleiner Freund!

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One response to “Wir geben nicht auf!

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