Ich habe die Hölle gesehen – Teil 1

Anmerkung: Bitte alle Artikel zum Thema Barcea und Familie Istrate  hier lesen

Tierarzt in Rumänien – Ein Mensch zwischen Tötungen und Rettungen

English translation available here

Lesen Sie auch: Ich habe die Hölle gesehen – Teil 2

Wenn man die Situation der Strassenhunde in Rumänien aktiv verfolgt, besonders seit Septemher 2013, wenn man Bilder der Tierschützer sieht, die vor den Public Shelters stehen, von denen, die Hunde dort herausholen, von Hunden, die dort drinnen sind, und die ganze Logistik, die hinter diesem Räderwerk des “Strassenhundemanagement” steht, dann entstehen Fragen. Fragen, die man jemandem stellen möchte, der dabei war, der dabei ist, der ein Teil dieses Räderwerkes ist, der Insiderkenntnisse hat. Man erhofft sich, zu verstehen. Und man hofft, Ansatzpunkte für Angriffe zu finden, Dinge, die man gegen dieses Räderwerk verwenden kann, um es womöglich zu Fall zu bringen. Ich habe erstmalig die Möglichkeit gehabt, vor einer Woche lange und direkt mit einem Mann zu sprechen, dessen Unternehmen direkt in das Strassenhundemanagement eingebunden ist. Er ist Unternehmer mit mehreren Tierarztpraxen im Raum Bukarest. Das Gespräch hat deutlich länger gedauert als geplant. Dr. Istrate hat ausdrücklich auf eine Freigabe verzichtet und mir erlaubt, ohne Zensur und ohne Rückfragen alles, was gesagt wurde, zu veröffentlichen. Ich bin dankbar dafür, daß er offen seine Sichtweise dargelegt hat, und fast keine Frage unbeantwortet gelassen hat.

Auch hier wieder: Viel zu lesen. Aber man gewinnt vielleicht den einen oder anderen Einblick, den man ohne dieses Gespräch nicht gewonnen hätte, und die Erkenntnis, daß Vermutungen nie tatsächliches Wissen um Dinge ersetzen kann…

Eckhard Kretschmer


Interview mit: Dr. Valentin Manuel Istrate, Bukarest

Datum: 20.04.2015

Ausgeführt durch: Eckhard Kretschmer


valiMap Of Hope: Guten Abend Dr. Istrate, vielen Dank, daß Sie sich die Zeit genommen haben, heute Abend mit mir zu telefonieren. Mit in diesem Telefonat befindet sich Diana als Übersetzerin Rumänisch/Deutsch, um eventuelle Begriffe während des Gespräches schnell klären zu können. Wir werden dieses Interview in Englisch führen.

Dr. Istrate: Guten Abend!

Map Of Hope: Sind Sie in Bukarest geboren?

Dr. Istrate: Nein, ich bin in Tecuci bei Galati geboren.

Map Of Hope: Darf ich fragen, wie alt Sie sind?

Dr. Istrate: Ich bin 41.

Map Of Hope: Das ist jung! Wann haben Sie Ihre erste Tierarztpraxis eröffnet?

Dr. Istrate: Das war in Galati, soweit ich mich erinneren kann, vor 18 Jahren.

Map Of Hope: Was für Tiere haben Sie dort behandelt?

Dr. Istrate: Im ersten Schritt ging es nur um kleine Haustiere die ich zuhause besuchte. Fünf Jahre später habe ich dann auch angefangen, mit grossen Tieren zu arbeiten und eine stationäre Praxis eröffnet.

Map Of Hope: Was war der Grund für Sie, Tierarzt zu werden?

Dr. Istrate: Das begann als ich klein war. Zunächst war da meine Mutter. Sie ist auch Tierärztin. Nicht ganz Tierärztin, aber tiermedizinisch ausgebildet. Sie arbeitet mit grossen Tieren. Deshalb habe ich schon seit ich denken kann die Tiere geliebt. Meine erste Spritze habe ich übrigens im Alter von 4 Jahren verabreicht.

Map Of Hope: Whow!

Dr. Istrate: Ja! Ich „half“ meiner Mutter bei der Behandlung von Pferden. Das ist wirklich wahr!

Map Of Hope: Haben Sie persönliche Erfahrungen mit Strassenhunden?

“Schau, ich habe einen Freund” – Mutter ist fast verrückt geworden…

Dr. Istrate: Ja, ich habe als 2jähriges Kind einen Strassenhund in meinem Dorf „gefunden“. Der lebte dann bei uns. Bitte, lassen Sie mich kurz seine Geschichte erzählen. Er ist in meiner Seele seit inzwischen fast 40 Jahren, das jetzt zu erzählen. Der Hund wurde als Hütehund für Schafe gebraucht, und jemand hat ihn rausgeworfen, weil er unfreundlich zu den Schafen geworden war. Seitdem wohnte dieser Hund bei uns zuhause. Zwischen mir und diesem grossen schwarzen Hund gibt es eine sehr intensive Verbindung. Jeden Tag verbrachte ich auf der Strasse mit diesem Hund. Und meine Mutter, auch mein Vater, fragten mich, wo ich jeden Tag hingehe. Nach einer Woche sagte ich dann „Schau, ich habe einen Freund“. Und als meine Mutter ihn sah, ist sie fast verrückt geworden. Ich wog zu dieser Zeit weniger als 20 Kilo, und der Hund 18! Es war eine sehr grosse Freundschaft zwischen mir und diesem Hund. Das war mein Erster. Das als Antwort auf Ihre Frage.

Map Of Hope: Erinnern Sie sich noch, wann sie das erste Mal erfuhren, dass Strassenhunde eine Gefahr für Menschen sein können? Wurden Sie irgendwann vor Strassenhunden gewarnt, gab es Vorfälle in Ihrer Schulzeit, gab es gefährliche Zusammentreffen mit Strassenhunden oder ähnliches?

Dr. Istrate: Nein, ich bin sicher, daß weder meine Freunde noch meine Familie noch ich jemals eine gefährliche Situation mit einem Strssenhund erlebt haben.

Map Of Hope: Gab es irgendwann vor 2013 Zeitungsberichte oder etwas in den Nachrichten über gefährliche Strassenhunde? Oder war der erste wirklich massive Vorfall, von dem Sie wissen, der Tod des kleinen Ionut Anghel in Bukarest?

Dr. Istrate: Ja, aus Bukarest erfuhr man so einige Geschichten. Aber das ist eine Weile her. Wenn ich mich richtig erinnere, dann gab es einen Fernsehbericht über einen Chinesen. Ein Chinesischer Staatsbürger der nach Rumänien gekommen war. Der hat versucht, einen Strassenhund zu fangen und an den Beinen festzuhalten. Dieser Chinese war dann im Krankenhaus. Ich glaube, damals gab es eine grosse Diskussion darüber.

Map Of Hope: Sie meinen, dieser Chinese hat versucht, einen Strassenhund zu fangen, und der Hund hat sich gewehrt?

Dr. Istrate: So in etwa. Ja, ungefähr so muss es gewesen sein. Es gab damals einen grossen Wirbel darum. Das kam auch vor Gericht. Es gab sehr viele polemische Meinungsäusserungen dazu. Aber es hat mich nicht so sehr interessiert.

Map Of Hope: Dieser Beissvorfall hat also weder Ihr Leben noch das von irgendwem anders wirklich verändert?

Dr. Istrate: Nein, warum?

Map Of Hope: Inzwischen liegt der Schwerpunkt Ihrer Arbeit in Bukarest, wenn ich richtig informiert bin?

Ich möchte Ihnen zunächst etwas sagen. Ich spreche jetzt über mich selbst. Was ich tue im Zusammenhang mit Kleintieren, tue ich aus Liebe zu ihnen. Und ich möchte Ihnen sagen, warum. Sie sprechen von „Geschäft“. Was die Tiere angeht, tue ich, was ich tue, weil ich liebe, zu tun was ich tue. Und ich möchte erklären, warum. Was ich heute bin, wer ich heute bin, bin ich durch die Tiere geworden. Ich begann als ein armer kleiner Junge in einem Dorf. Und langsam,langsam, Schritt für Schritt entwickelte sich mein Leben. Und was ich tue, auch jetzt, in meiner aktuellen Situation, kann ich nur tun, weil ich das alles den Tieren verdanke. Ich tue es, weil ich den Tieren dankbar bin, weil ich sie liebe, weil ich fühle, daß ich das tun sollte.

Ich beschäftige mich am Meisten mit Hunden und Katzen. Ich möchte dazu ein wenig ausholen: Ich habe vor 7 Jahren begonnen, für jüdische Leute zu arbeiten. Es ging um grosse Tiere wie Kühe. Diese Leute sagten zu mir, schau, Vali, also, wir reden hier von „Tnuva romania nilc“, eine grosse Israelische Firma, also einen nicht gerade kleinen Konzern. Sie kamen, wie gesagt, nach Rumänien um Milchfarmen zu errichten und zu betreiben. Ich war dort eigentlich nur mit Papierarbeit beschäftigt. Formalitäten, Vorschriften und so weiter. Eigentlich eher als Consultant. Und dann kamen die ersten ungefähr 100 Kühe auf die neue Farm, und zwei von ihnen fingen an zu kalben. Bei einer von ihnen traten Komplikationen auf. Der Direktor sagte dann, „Vali, schau, Du bist ein Tierarzt! Hilf dieser Kuh!“. Ich entgegnete, dass ich ein Kleintierspezialist bin und mit Kühen nichts zu tun hatte bis dahin. Er sagte „Machs trotzdem“. Ich führte die Operation also durch. Natürlich nur mit den Methoden, Instrumenten und Möglichkeiten, die ich aus der Kleintiermedizin hatte. So ist halt Rumänien.

Danach lud mich der Direktor nach Israel ein, um dort von der Firma weitergebildet zu werden, was Kühe betrifft, um dann auf der Farm in Rumänien diese Operationen gut und sicher durchführen zu können. Ich war einverstanden. Mein Herr. Ich war nicht in der Rumänischen Armee. Aber das, was ich dort erlebt habe, war um einiges mehr als „Armee“. Aber ich kann sagen, daß ich jetzt Kühe spielend operieren kann,weil ich zum Operieren sogar in den Niederlanden, in Deutschland, Dänemark und Ungarn durchgeführt habe.

Nach 5 Jahren beendete die Firma Tnuva romania nilc ihre Geschäftstätigkeit in Rumänien. Natürlich war das mit Verlusten verbunden. Sie haben alles dort zurückgelassen und waren dann einfach weg. Es handelte sich um eine Farm für fast 1000 Kühe. Die wurden dann nicht mehr gefüttert und einfach alleine gelassen. Die Rumänische Regierung hat dann gesagt, dass sie mir zutrauen, diese Farm zu übernehmen. Ich entgegnete, daß ich die Mittel dafür garnicht habe. Aber mit Hilfe der Rumänischen Regierung konnte ich diese Farm übernehmen.

Hier fand quasi ein grosser materieller Schritt statt. Der hatte aber überhaupt nichts mit Hunden oder Katzen oder meinen Tierarztpraxen zu tun. Deshalb betone ich das so ausführlich.

Wenn ich heute Hunden und Katzen helfe, dann tue ich das, weil mir, als ich klein war, Hunde und Katzen zur Seite gestanden haben.

In dieser Zeit eröffnete ich ein paar weitere kleine Tierarztpraxen. Und ich möchte diesen Zusammenhang noch einmal hervorheben: Wenn ich heute Hunden und Katzen helfe, dann tue ich das, weil mir, als ich klein war, Hunde und Katzen zur Seite gestanden haben. Das ist meine Geschichte.

Map Of Hope: Aktuell scheint es, als ob Sie viele, viele Dinge gleichzeitig tun würden. Ich habe verstanden, daß sie aktuell einige Tierarztpraxen betreiben, und planen, noch eine weitere zu eröffnen. Das machen Sie nicht alles alleine, richtig?

Dr. Istrate: Richtig, ich beschäftigte fast 70 Mitarbeiter.

Map Of Hope: Was für Tiere werden da in der Regel behandelt?

Dr. Istrate: Die meisten sind Hunde und Katzen, aber auch Enten, Schafe, grosse Tiere. Alles, was man so um Umkreis von Bukarest vorfinden kann. Die Kliniken sind ja nicht im Zentrum sondern meist in den Randgebieten Bukarests.

Map Of Hope: Zusätzlich haben Sie einen Kooperationsvertrag mit der ASPA (Autorität für die Überwachung und den Schutz der Tiere, Behörde, die dem Oberbürgermeister von Bukarest untersteht).

Dr. Istrate: Ja, den Vertrag habe ich. Und über den reden viele Leute, ohne daß sie irgendetwas genau wissen. Sie scheinen in einer anderen Dimension zu leben. Schauen Sie, ich habe den Vertrag mit der ASPA, weil mein Unternehmen in der Datenbank von Firmen befindet, die tierärztliche Dienstleistungen in Bukarest des Rathauses befindet. Wir erhalten so über Auschreibungen kommunale Aufträge. So haben wir auch den Auftrag zur Erbringung tiermedizinischer Dienstleistungen für die städtischen Public Shelter erhalten, die von der ASPA betrieben werden. Das ist umso bemerkenswerter, wenn man weiß, daß ich vorca. 8 Jahren Tierschutz betreibe.

Weil es immer Vorfälle gibt zwischen Tierfreunden und der ASPA, und weil ich mich für den Schutz von Hunden und Katzen einsetze, wurde ich von der ASPA fast schon herausgeworfen wenn ich dort auftauchte, wenn Sie verstehen, was ich meine? Nach vielen Jahren wurde nicht ich, aber mein unternehmen, von der ASPA beauftragt. Ich hatte, wie viele anderen Firmen, alle erforderlichen Papiere eingereicht. Es waren fast 30 Bewerber. 5 Firmen wurden schliesslich ausgewählt. Eine davon war unsere. Aktuell haben also wir und 4 andere Firmen diesen Vertrag mit der ASPA Bukarest.

Was bedeutet das? Es gibt drei Shelter in Bukarest. Bragadiru, Mihailesti und Pallady. Wöchentlich fahren mein Team und ich, wir sprechen hier von 6-7 Leuten jeweils, in diese Shelter. Was wir dort machen? Wir operieren, Dokumente, Impfungen, Entwurmung, Kastrationen und wir chippen die Hunde dort. Exakt das umfasst der Vertrag mit der ASPA. Ein Vertrag meiner Firma mit der Firma ASPA. Ich bin kein Tierarzt der ASPA. Viele Leute erzählen grossen Blödsinn. Ich wiederhole noch einmal: Ich bin Tierarzt meines Unternehmens. Und dieses hat einen Vertrag mit der ASPA. Dr. Istrate ist kein ASPA-Arzt. Das ist schlicht nicht wahr. Ich bin Tierarzt meines Unternehmens. Mein Arbeitsvertrag ist mit meinem Unternehmen in Bukarest geschlossen und nicht mit der ASPA.

Map Of Hope: Also Sie sind bei Ihrer Firma angestellt und Ihre Firma hat einen Vertrag mit der ASPA?

Dr. Istrate: Genau das.

Map Of Hope: Sie gehen da also hin, mit 6-7 Leuten. Und wenn da neue Hunde eingetroffen sind, mit Problemen, Würmern, die kastriert werden sollen, und so weiter, dann tun Sie das?

Dr. Istrate: Richtig. Das ist meine Aufgabe bei der ASPA. Ich bin kein ASPA Arzt, ich bin nicht bei der ASPA beschäftigt. Nur mein Unternehmen hat einen Vertrag mit der ASPA. Der ist zustande gekommen weil wir ein grosses Tierarztunternehmen in Bukarest sind und damit ausgewählt wurden weil wir die Kapazitäten dafür haben. Wenn wir den Vertrag nicht bekommen hätten, dann hätte ihn ein anderes Unternehmen bekommen. Und wir sind nicht die Einzigen. Es gibt tausende von Tierärzten.

Map Of Hope: Wenn ich Sie richtig verstehe, gibt es also Tierarztpraxen oder Tierärzte, die einen Vertrag mit der ASPA haben, Hunde zu behandeln, und andere, die Verträge über die Euthanasierung von Hunden haben, richtig?

Dr. Istrate: Korrekt. Ja, richtig! Und vergessen Sie etwas nicht! Die Konstellation, also, daß ich diesen Vertrag habe, bringt einige Privilegien mit sich. Ich kann z.B. hineingehen wann immer ich möchte, ich habe dort einen gewissen Einfluss. Die Leute, die jetzt Blödsinn erzählen über mich gefährden diese Möglichkeiten, die ich dadurch im Sinne der Tiere habe. Denn die ASPA könnte sich entscheiden, Vertrag zu kündigen.

Map Of Hope: Aktuell haben Sie aber diesen Vertrag. Und aktuell ist ihre Firma regelmässig in den ASPA Shelters? Impfen und kastrieren Sie da aktuell?

Dr. Istrate: Genau. Ja. Ich habe ja den Vertrag.

Map Of Hope: Können Sie sich erinnern, seit wann genau sie in den ASPA Shelters tätig sind?

Dr. Istrate: Dieser Vertrag hat, soweit ich mich erinnere, vor einem Jahr begonnen.

Map Of Hope: Also ungefähr zu der Zeit, als ASPA anfing, das Gefängnislager Bragadiru für Strassenhunde zu nutzen?

Dr. Istrate: Ja. Ja. ja. Das war genau zu dieser Zeit. Sehr gutes Gedächnis haben Sie. Ja. So war es.

Map Of Hope: Und Sie und Ihr Team, also das Team, Sie werden ja nicht immer mit gehen, gehen in alle ASPA Shelters. Zu den weiter entfernten, wie Mihailesti und Bragadiru und auch in das Innenstadtshelter Pallady?

Dr. Istrate: Ja, genau so ist das.

Map Of Hope: Und dieser Vertrag, bedeutet der, daß Sie pro behandelten Hund, oder pro Stunde abrechnen, oder ist das ein Rahmenvertrag, der das pauschal abdeckt?

Dr. Istrate: Was meinen Sie genau? Diese Organisation ASPA fängt die Hunde, wissen Sie? Sie bringen die in diese Shelter. Und was macht ein Tierarzt dort dann? Chippen, Wunden und Krankheiten behandeln, sich um die Gesundheit zu kümmern. Das ist alles. Was genau meinen Sie?

Map Of Hope: Wenn Sie also ein Tier dort vorfinden, das sehr krank ist, oder gebissen wurde, können Sie es aus einem Zwinger herausholen, behandeln, in einen anderen Zwinger tun lassen?

Dr. Istrate: Exakt. Viele Leute erzählen auch: Schau mal, dieser Tierarzt arbeitet für die ASPA, der schläfert Hunde ein. Das ist ein weiterer Blödsinn. Für das Einschläfern sind spezielle Firmen zuständig. Nicht die Tierärzte. Andere Firmen machen das. Jeder Tierarzt macht das, was in seinem Vertrag steht. Sie können es schlicht nicht machen. Sogar wenn Sie wollen können sie nicht. Weil es nicht Vertragsbestandteil ist. Es wäre sogar gegen das Gesetz wenn Sie es tun würden. Aber die Leute beginnen, sehr hässliche Dinge zu sagen. Auch jetzt, da ich das Private Shelter eröffnet habe.

Eines Tages war ich vor dem Public Shelter. Ich stand zwischen den Leuten und bekam mit, wie jemand sagte “Schau mal, da ist der Istrate. Istrate ist ein sehr schlechter Mensch. Ein sehr hässlicher Mensch. Er ist kriminell. Ich habe die Person dann angesprochen, und gefragt, ob sie wisse, daß ich Tierarzt sei. Sie meinte, das wisse sie. Ich fragte, warum sie hier zum Public Shelter gekommen sei. Sei entgegnete, sie sei hier, weil sie ein Hundefreund sei. Sie wolle 10 Hunde herausholen. Ich bot ihr an, daß ich, weil ich einen gewissen Einfluss dort hatte, ihr 30 Hunde herausgeben könnte. Sie lehnte ab, weil sie sagte, sie habe keinen Platz, 30 Hunde unterzubringen. Ich sagte, ich könne ihr den Platz zur Verfügung stellen. Nun sagte sie, es scheitere daran, daß sie keine Transportmöglichkeiten hätte. Ich bot ihr auch diese an. Nun meinte sie, sie habe kein Futter für die Hunde. Ich sagte, auch da könne ich helfen. Ich ging also ins Public shelter, zog meine Arbeitskleidung als Tierarzt an, meine Ausweiskarte und kam wieder heraus. Sie entschuldigte sich vielmals und war sehr verlegen. Ich sagte ihr, daß ich nicht sauer auf sie sei. Ich sagte ihr, sie solle es so machen: Jetzt 30 Hunde nehmen, richtig mit Papieren auf ihren Namen. Ich sagte ihr, daß ich hier dies alles helfe unter einer Bedingung: Sie müsse wirklich regelmässig, dorthin kommen. Sie müsse die Exkremente entfernen, sauber machen, füttern, Zeit mit ihnen verbringen, sie lieben. Und ich sagte ihr aber auch: Wenn Sie nicht kommen, und sich nicht um die Hunde kümmern wie versprochen, dann werde ich Sie anzeigen, daß Sie Hunde ausgesetzt haben. Pro Hund kann die Strafe dann bis zu 1000 Euro betragen. Sie müssen lernen, zu respektieren. Zunächst einmal Menschen, und es ist falsch, hässlich über eine Person zu reden, wenn man sie garnicht kennt. Aber so wie wir es ausgemacht haben, hat diese Personen etwas fürs Leben gelernt. Und glauben Sie mir, Herr Kretschmer, diese Person ist jetzt wie ein schnurrendes Kätzchen.

90 Prozent der Rescuer sind nur hinter dem Geld her

So viele Menschen in Rumänien tun das was sie tun nur wegen des Geldes. Weil Deutsche, Holländer und andere Geld schicken, fangen diese Leute an, zu spielen. Sie fangen an zu lügen, sie tun Dinge ausschliesslich wegen des Geldes. Die Realität ist, daß von diesen Leuten nur 10 Prozent wirkliche Tierfreunde sind. Die restlichen 90 Prozent sind wirklich nur hinter dem Geld her. Wenn man einen Hund in Rumänien unterbringen möchte, muss man pro Monat bezahlen. Ich habe von 15 Euro gehört, von 25 Euro. Und jetzt frage ich Sie: Ist das normal? Ist das Tierliebe? Hier wird viel Schindluder getrieben. Ich möchte allen etwas beibringen. Ich verdiene genug Geld mit meinem Beruf. Deshalb habe ich dieses Private Shelter eröffnet. Ich versuche, diese hässlichen Leute zu finden, und ihnen zu zeigen, daß ich kein Geld für die Unterbringung für Hunde nehme. Ich glaube, manche Leute haben psychische Probleme. Und deshalb mache ich das alles.

Map Of Hope: Das heisst, in der Farm bei Tecuci haben jetzt mehrere Organisationen ihre Hunde kostenlos untergebracht, richtig?

Dr. Istrate: Ja, genau 2 Organisationen. Zunächst einmal Nero Lino E.V. (http://www.nerolino.org/). Von diesem Verein, vor allem von Fulvia Dietz, glaube ich wirklich, daß sie Tierfreunde sind. Warum? Weil sie alles bezahlen. Sie zahlen das Futter. Sie zahlen die Leute, die für sie dort arbeiten, An mich zahlten sie nichts. Weil ich von ihnen kein Geld haben will für die Benutzung meines Shelter. Ich habe mit Fulvia gesprochen, und gesagt: Schau, wenn Du Dich um die Hunde kümmern willst, dann musst Du es richtig machen. Gib ihnen Futter, gib ihnen Wasser, und finde Familien für sie. Das ist alles. Fulvia fragte, ob ich das ernst meine, und kein Geld für Miete haben möchte. Ich bestätigte ihr: Nein, aber Du musst mir versprechen, ihnen die Chance auf ein neues Leben zu geben. Das ist, was ich von Dir verlange.

Nehmen wir einmal an, ich würde für ungefähr 500 bei mir untergebrachte Hunde 15 Euro pro Hund und Monat verlangen. Stellen Sie sich vor, was ich verdienen würde! Aber ich will das nicht. Verstehen Sie?

Map Of Hope: Ja, ich verstehe. Ich habe es so verstanden, daß sie dieses Grundstück, diese Hallen Leuten kostenlos zur Verfügung stellen, die Hunde aus Public Shelters retten und unterbringen wollen. Die Leute müssen an Sie nichts bezahlen, lediglich Zwingeranlagen selber bauen, sich um Futter und solche Dinge kümmern. Aber sie müssen keine Miete bezahlen. Richtig?

Dr. Istrate: Ja, genauso ist das.

Map Of Hope: Und die andere Organisation, die auch Hunde bei Ihnen hat, wieviele haben die bei Ihnen untergebracht?

Dr. Istrate: Ich habe die Unterlagen jetzt nicht vor mir liegen. Aber Nero Lino E.V. hat, wenn ich die von Frau L. dazurechne, ungefähr 500 Hunde bei uns untergebracht.

Map Of Hope: Verstehe. Die Hunde stammen also teilweise aus dem Dogtown Shelter…

Dr. Istrate: Nein, nein! Von Dogtown sind ungefähr 200!

Map Of Hope: Ok. 200 sind aus Dogtown. Dazu kommen etwas mehr als 100 aus Mangalia,..

Dr. Istrate: Ja, richtig…

Map Of Hope: Und dann gibt es da noch weitere Hunde aus den drei ASPA Public Shelters?

Dr. Istrate: Genau! Genau! Ja!

Map Of Hope: Lassen Sie uns bitte noch einmal nach Bukarest zurückkehren und zu den Public Shelters der ASPA.

Dr. Istrate: Ok

Map Of Hope: Ihr Team geht da also tagsüber da hin. Wenn es hell ist, und sie behandeln die Hunde dort. Und es gibt andere Firmen, Tierarztunternehmen, die über Ausschreibungen Verträge zum Einschläfern von Hunden haben.

Dr. Istrate: Die sind da nicht über Ausschreibung. Es gibt ja dieses Gesetz in Rumänien, daß Hunde nach 14 Tagen getötet werden sollen, wenn niemand sie adoptiert hat.

Map Of Hope: Verstehe. Wenn also jemand Hunde töten möchte, kann der sich dann direkt bei der ASPA bewerben? Oder gibt es dafür auch ein Auswahlverfahren?

Es gibt tatsächlich Leute, die Hunde töten wollen

bragadirusymbolDr. Istrate: Ja. Natürlich. Es gibt tatsächlich Leute, die Hunde töten wollen. Natürlich Und sie haben dann den Vertrag.

Map Of Hope: Ok, aber um den Vertrag zu bekommen, ist das derselbe Prozess wie der, um den Vertrag zu bekommen, die Hunde in den Shelters zu versorgen?

Dr. Istrate: Nein, es ist nicht derselbe Prozess – es ist auch nicht derselbe Vertrag. Nein.

Map Of Hope: Ich verstehe. Es ist nicht derselbe Vertrag. Es gibt verschiedene Aufgaben zu erledigen. Eine ist, die Tiere medizinisch zu versorgen. Einer ist, sie zu töten. Und Sie haben den Vertrag, die Tiere zu versorgen. Andere Leute haben den Vertrag, sie zu töten.

Dr. Istrate: Richtig. Und ich habe lediglich einen Vertrag zur Versorgung der Tiere. Ich kann das auch vorlegen als Beweis, wenn es Ihnen wichtig ist.

Map Of Hope: Ok, also diese Tierärzte, die einen Vertrag über die Tötung von Hunden haben. Die kommen also auch einmal die Woche? Oder zweimal die Woche? Wann kommen sie, und wie oft?

Dr. Istrate: In den Shelters, in denen ich war, für die anderen kann ich nicht sprechen, gab es in den letzten 3-4 Monaten keine Einschläferungen, weil alle Hunde adoptiert wurden. Genau wie bei den Dogtown-Hunden, ungefähr 250, die getötet worden wären, wenn sie nicht herausgeholt worden wären. Nero Lino E.V. hat seinerzeit innerhalb von 48 Stunden die Übernahme aller dieser Hunde organisiert.

Map Of Hope: Ich erinnere mich daran!

Dr. Istrate: Soweit ich mich erinnere war das vor 3 oder 4 Monaten.

Map Of Hope: Ja, irgendwann zum Jahresende.

Dr. Istrate: Ja, Dezember war es wohl. Ja.

Map Of Hope: Also, soweit Sie es wissen wurden in diesem Jahr keine Hunde in keinem der ASPA Shelters getötet?

Dr. Istrate: Ja.

Map Of Hope: Verstehe ich das richtig? Es wurde 2015 kein Hund getötet und damit auch kein toter Hund an Stericycle übergeben bisher? Ich würde gerne ganz genau hören, ob nach allem was Sie wissen, in diesem Jahr, 2015, schon Hunde in ASPA Shelters Tötungen beauftragt und durchgeführt wurden.

Dr. Istrate: Ja, richtig. Es ist wie Sie es sagen.

Map Of Hope: Ok. Die Firma, die den Vertrag über Tötung von Hunden hatte, hatte nichts zu tun?

Dr. Istrate: Genau! Richtig!

Map Of Hope: Sie wurden nicht gerufen?

Dr. Istrate: Genau.

Map Of Hope: Als sie Hunde getötet haben, z.B. im vergangenen Jahr, haben Sie das irgendwann mitbekommen? Gesehen, gehört? Waren Sie anwesend?

Ich habe gehört, wie Hunde bei der ASPA getötet wurden

Dr. Istrate: Ich habe es ein einziges Mal gehört. Nie gesehen. Weil, und ich schwöre zu Gott: Ich kann so etwas nicht sehen! Ich habe es nur gehört. Ich habe darüber mit jemandem bei Nero Lino E.V. gesprochen, Sie können da nachfragen. Es fällt mir schwer über dieses Erlebnis zu sprechen.

Map Of Hope: Können Sie sagen, was Sie wissen, was Sie gehört haben, und was Sie wissen, wie die Hunde dort getötet werden?

Dr. Istrate: Was ich vermute?

Map Of Hope: Worauf hat das, was Sie hörten, hingedeutet?

Dr. Istrate: Ich würde mich gerne dazu äussern, was ich dort gehört habe. Aber ich darf über diese Dinge, die bei der ASPA nicht sprechen. Diese Verschwiegenheit ist Teil des Vertrages.

Map Of Hope: Ich akzeptiere diese Antwort und glaube, daß ich verstehe, was Sie gehört haben…

Es gibt ja noch ein weiteres Public Shelter in Bukarest. Es geht mir um Odai.

Dr. Istrate: Ich weiss absolut garnichts über das Odai Shelter. Es untersteht nicht dem Oberbürgermeister. Ich glaube, es gehört zu Sektor 3. Und wirklich, ich weiss absolut nichts über Odai. Nichts. Nichts.

Map Of Hope: Kein Problem. Bei unserem Gespräch liegt der Schwerpunkt auch auf dem Wort „Tecuci“. Tecuci scheint das Paradies schlechthin für alle Hunde zu sein, die aus Public Shelters herausgeholt wurden, die dort jetzt auf ihre Endplätze/Familien warten. Was ist Tecuci?

Dr. Istrate: In Tecuci, oder genauer, bei Tecuci, in Barcea, so heisst das Dorf, befindet sich ein Private Shelter. Mein Private Shelter. Aber es gibt eine Vereinbarung mit Nero Lino E.V.. Warum? Weil ich dieses Shelter privat gekauft habe, und Nero Lino E.V. bezahlt, was sich darin befindet. Also die Zwinger, Hütten, Näpfe, Infrastruktur. Wenn man das Futter dazu rechnet glaube ich, wenn ich richtig liege, wurden für die Hunde dort bereits 30.000 Euro durch Nero Lino E.V. ausgegeben bis heute. Ich habe die Dokumente. Aber nicht jetzt vor Augen. Ich präzisiere: Ich habe dort zwei grosse Gebäude. Also ungefähr 2000 m², dazu ungefähr 20.000 m² Grundstück. Alles was darin geschaffen wurde, gehört zu Nero Lino E.V.. Sie haben dort viel Geld für die Hunde ausgegeben. Das ist wirklich wahr! Das Shelter ist offiziell registriert, geprüft und von der Veterinärbehörde DSV zugelassen.

Map Of Hope: Und die Immobilie gehört Ihnen. Sie zahlen da keine Miete, aber sie haben das damals gekauft?

Dr. Istrate: Richtig. Und zwischen Nero Lino E.V. und mir gibt es eine Vereinbarung für 10 Jahre.

Map Of Hope: Wofür wurden diese Gebäude vorher genutzt?

Dr. Istrate: Für Schafe und Kühe.

Map Of Hope: Ahja, das ist also diese Farm der israelischen Firma, über die Sie anfangs schon gesprochen hatten?

Dr. Istrate: Ja

Map Of Hope: Es gibt also nur einen Verein, mit dem Sie eine Vereinbarung haben zur Zeit, und das ist Nero Lino E.V.?

Dr. Istrate: Ja

Map Of Hope: Und Frau L. war dort anfangs auch?

Dr. Istrate: Frau L. ist die Frau, über die ich vor 10 Minuten gesprochen habe, bei der ich bemerkte, daß sie schlecht über mich sprach, ohne mich überhaupt zu kennen.

Map Of Hope: Sie ist der Tierfreund mit den 30 Hunden? Der Sie Platz und Transport ermöglicht haben unter der Bedingung, daß sie sich dann auch um die Hunde kümmert?

Dr. Istrate: Genau. Das ist sie.

Map Of Hope: Ich fasse zusammen: Es gibt aktuell nur eine Organisation die Hunde in Tecuci hat, und das ist Nero Lino E.V. Nero Lino E.V. zahlt pünktlich was zu zahlen ist. Füttern sie die Hunde ausreichend?

Dr. Istrate: Ja

Map Of Hope: Und Sie betreuen die Hunde dort medizinisch?

Dr. Istrate: „Ich“ ist nicht präzise. Es sind ungefähr 6 Leute. Einmal in der Woche fahren sie dorthin um die Hunde zu behandeln, zu kastrieren, aber noch gibt es dort nicht wirklich gute Bedingungen für medizinisches Arbeiten. Zuerst müssen Räumlichkeiten dafür vorbereitet werden. Aktuell unterhalten sich Nero Lino E.V. und ich darüber.

Map Of Hope: Bedeutet das, daß es dann eine weitere Vereinbarung zwischen Nero Lino E.V. und Ihnen gibt der die medizinische Versorgung umfasst?

Dr. Istrate: Genau.

Map Of Hope: Und damit können Sie dann alles anbieten: Chippen, Entwurmen, Impfen, Kastrieren usw.?

Dr. Istrate: Ja. Genau.

Map Of Hope: Und im Moment? Werden da die Hunde nur behandelt, wenn sie z.B. verletzt sind oder krank, habe ich das richtig verstanden?

Dr. Istrate: Ja. Richtig. Im Moment mache ich das auch ohne Vereinbarung. Denn man kann doch verletzte, blutende, kranke Hunde nicht unversorgt lassen! Das wäre doch unmenschlich, wenn man sagen würde: Schau, für sowas haben wir keine Vereinbarung, deshalb tun wir hier nichts… Aktuell gibt es einen Streit – nein, eigentlich eher eine Diskussion mit Nero Lino E.V. denn ich habe gesagt, daß aus Mangalia ungefähr 100 der Hunde unkastriert gekommen sind. Und jetzt, mit Frühlingsbeginn, fangen die Hunde an, sich zu vermehren. Die Hündinnen werden heiß. Und jetzt sinds vielleicht 200, könnten aber eventuell 1000 werden wenn man nichts unternimmt.

Map Of Hope: Jetzt muss ich einmal nachfragen: Soweit ich weiss, ist es in Bukarest verboten, dass die ASPA Hunde aus den Shelters herausgibt, die nicht kastriert sind.

Dr. Istrate: Ja, genau so ist es. Stimmt.

Map Of Hope: Und in Mangalia werden die Hunde unkastriert an die Organisationen übergeben? Und deshalb ist es jetzt erforderlich, daß Sie die in Tecuci kastrieren?

Dr. Istrate: Sehr gut, daß Sie das ansprechen! Ich bin froh, daß Sie das fragen. Denn ich möchte Ihnen das gerne erklären. In jeder Rumänischen Stadt muss das Public Shelter des Rathauses einen Vertrag mit einer Firma wie meiner haben. Das ist Vorschrift. Aber wenn man keine sehr guten Anwälte hat, gibt es sehr unterschiedliche Interpretationen der Gesetze. Was bedeutet das für die Hunde? Im Gesetz gibt es eine Passage, die ungefähr so lautet: Der Bürgermeister ist verpflichtet, die Kastrationen der eingefangenen Strassenhunde vollumfänglich zu bezahlen. Es gibt aber einen Widerspruch. Andere Vorschriften sagen, Tierfreunde müssen diese Kastrationen bezahlen. Jeder kann sich also das Gesetz oder die Vorschrift so auslegen wie er will. Deshalb gibt es auf diese Frage auch zwei Antworten. Einmal, daß sie das bezahlen “können” und einmal, daß sie das bezahlen “müssen”. In Mangalia gibt es von der Stadtverwaltung nur dafür Geld, die Hunde einzufangen, und 14 bis 21 Tage aufzubewahren, falls in der Zwischenzeit niemand sie dort heraus holt. Sonst wird ihre Euthanasie bezahlt. Die Stadtverwaltung in Mangalia zahlt schlicht nicht für Kastrationen.

In Mangalia wird nicht auf Kosten der Stadt/des Betreibers kastriert, gechippt etc…

Hier gibt es also einen Startpunkt für Diskussionen. Denn Leute aus dem Ausland, zum Beispiel aus Deutschland, fragen genau das, was Sie mich soeben gefragt haben. Sie verweisen auf die ASPA in Bukarest und verstehen den Unterschied nicht. Ich sage ihnen dann immer, daß jede Stadt das eben unterschiedlich handhabt. Und daß es es u.A. vom Gehirn des Bürgermeisters abhängt. Es gibt eben kluge Bürgermeister, und es gibt die anderen. Sie verstehen, was ich sagen will? Das Rathaus von Mangalia will eben nur das Einfangen und die Minimalbehandlungen zahlen. Und der Grund, warum überhaupt medizinische Versorgung bezahlt wird liegt daran, daß Nero Lino E.V. mich angesprochen hat, ob ich mich dort nicht einschalten könnte. Es ging um die medizinische Versorgung und darum, daß man die Hunde dort retten wollte, aber befürchtete, es aber nicht jeweils in 21 Tagen schaffen zu können, Endstellen für diese Hunde zu finden. Wir einigten uns darauf, daß ich einwilligte, daß Nero Lino E.V: auch die Hunde aus Mangalia nach Tecuci Barcia bringen konnte. So wurde Zeit gewonnen, um möglichst nach 3-4 Monaten eine Familie für jeden zu finden, und nicht schon nach 12 Tagen. Das waren die ersten Gespräche in denen es um Mangalia ging. Wir einigten uns und wir haben es dann so gemacht.

Map Of Hope: Es scheint jetzt für mich so zu sein, daß es eine Vereinbarung mit Nero Lino gibt, daß unabhängig aus welchem Public Shelter sie Hunde retten, Sie versuchen werden, ihr dabei zu helfen, sie vorübergehend unterzubringen.

Dr. Istrate: Genau das.

Map Of Hope: Gleichzeitig haben Sie noch die Firma mit ca. 70 Personen die Sie in Bukarest beschäftigen, dazu die ehemalige Farm in der Nähe von Tecuci, in der 1-2 mal in der Woche Hunde behandelt werden die dort untergebracht sind, und wenn ich das richtig verstehe, haben Sie inzwischen auch einen Vertrag mit dem Bürgermeister von Mangalia oder direkt mit Biobaze.

Dr. Istrate: Ja, mit Biobaze. Nicht direkt mit dem Rathaus. Die Betreiberfirma Kingdom und ich haben einen Vertrag der die medizinische Basisversorgung der Hunde regelt.

Map Of Hope: Das heisst genau genommen, daß Sie zur Zeit der Tierheimarzt für die Public Shelters von Mangalia sind? Wieviele Lager gibt’s denn dort?

Dr. Istrate: Nur eines. In Mangalia selbst gibt es nur eines. In Eforie gibt es ein weiteres. Eforie ist eine andere Kleinstadt.

Map Of Hope: Ja, ich weiss. Und Eforie hat zwei Lager, soweit ich weiss….

Dr. Istrate: Ja, richtig…

Map Of Hope: Eines davon ist offiziell in Betrieb und das andere wirft viele Fragezeichen auf, richtig?

Dr. Istrate: Aha, Ja, ja. Aber für dort habe ich keinen Vertrag. Ich versuche es, aber die Gespräche laufen noch. Ich versuche, auch diesen Vertrag zu bekommen. Aber ich weiss nicht, ob ich es schaffen werde. Ich glaube zwar ja, aber ich habe das Lager dort gesehen, und glauben Sie mir, ich wurde davon krank, was ich dort gesehen habe.,

Map Of Hope: Was haben Sie dort gesehen?

Dr. Istrate: Das wollen Sie nicht wissen! Glauben Sie mir! Fragen Sie Nero Lino E.V., die waren dort.

Map Of Hope: Ich möchte aber Sie fragen, weil das Ihr Interview ist.

Dr. Istrate: Ja, das verstehe ich. Tut mir leid. Also gut. Sie kennern die Bedeutung des Wortes „Hölle“?

Map Of Hope: Ja

Das ist es, was ich in Eforie Sud gesehen habe: Die Hölle!

Dr. Istrate: Das ist es, was ich dort gesehen habe. Die Hölle!

Map Of Hope: Das bedeutet genauer? Kein Futter, kein Wasser?

Dr. Istrate: Kein Wasser, kein Futter, tote Hunde, und Gebäude wie 1944 nach dem Krieg.

Map Of Hope: Das bedeutet?

Dr. Istrate: Das bedeutet, dass es keine Hygiene gibt, schlicht garnichts gibt es da!

Map Of Hope: Wir reden gerade über Eforie Sud, richtig?

Dr. Istrate: Ja.

Map Of Hope: Lassen Sie uns zu Mangalia zurückkehren. Als Sie dort die Aufgabe übernommen haben. Haben Sie eine Ahnung, ob es vor Ihnen dort einen Tierarzt gab? Oder gabe es dort schlicht niemanden für die Tätigkeit?

Dr. Istrate: Diese Frage möchte ich bitte nicht beantworten.

Map Of Hope: Ok. Ich möchte noch einmal auf einen Punkt zurückkommen, über den es Unklarheiten und widersprüchliche Postings unter Tierschützern auf Facebook gibt: Die Kosten für Kastrationen, Chippen und das Ausstellen der Gesundheitsbücher von Hunden, die aus dem Mangalia Shelter herausgeholt werden.

Dr. Istrate: Ja, da gibt es Diskussionen über Geld, das für die Hunde bezahlt werden muss, die aus dem Mangalia Shelter gerettet werden. Schauen Sie: Wenn ein Hund aus diesem Shelter herausgeholt wird, muss er kastriert werden, gechippt werden, geimpft werden, entwurmt werden, und es muss ein Gesundheitspass ausgefüllt und mitgegeben werden. Das alles bezahlt weder die Stadt Mangalia noch der Shelterbetreiber. Das lege ich vor, und das müssen die Organisationen mir dann natürlich erstatten. Ich kaufe z.B. die Chips von einer Firma, implantiere die, und natürlich muss ich das Geld, das ich vorgelegt habe wiederbekommen. Ich stelle diese Chips ja nicht selbst kostenlos her.

Map Of Hope: Das bedeutet, wenn ich es richtig verstanden habe, wenn jemand einen Hund aus einem ASPA Shelter adoptiert, besagt der Vertrag zwischen der Stadtverwaltung von Bukarest und dem Shelter dort, daß ASPA das bezahlt. In Mangalia ist das anders.

Dr. Istrate: Genau das ist der Punkt! Ja! In Bukarest ist das alles inklusive, in Mangalia nicht.

Map Of Hope: Wer also einen Hund aus Mangalia adoptiert weiss, daß er das selbst bezahlen muss, weil das nicht im Vertrag bei Biobaze drin steht.

Dr. Istrate: Richtig. Ich möchte aber noch einmal betonen: Ich verlange kein Geld für meine Arbeitszeit und Arbeitsleistung bei diesen Hunden. Es geht wirklich nur um die Materialkosten. Alles was ich mit meinen Händen tue, tue ich, um Tieren zu helfen. Dafür verlange ich absolut garnichts. Pro Hund sind nur 15 euro fällig. Was ist das schon? Es gibt da leider auch Menschen, die das nicht verstehen wollen. Die sagen dann, ich sei ein Betrüger, und erzählen mir, in ganz Rumänien sei das gleich, und nirgends müsse man für Chippen, impfen, Gesundheitspass bezahlen. Diese Leute sind schlecht informiert Es ist eben nicht so und sie verbreiten, ob sie es besser wissen oder nicht, Lügen. Wenn sie Chip und Gesundheitsbuch selbst mitbringen, dann verwende ich das gerne. Dann sparen sie diese Kosten. Aber weder Chips noch Gesundheitsbücher kann man umsonst kaufen. Es ist ein bescheuertes Gesetz und eine bescheuerte Situation. Aber mehr, als darüber aufklären kann ich nicht. Ich kann es ja nicht ändern.

Map Of Hope: Ich verstehe. Betreuen Sie das Mangalia Shelter alleine, oder machen Sie das auch mit Leuten aus Ihrem Team?

Dr. Istrate: Richtig. Auch in Mangalia arbeiten mehrere Leute mit mir zusammen. Und diese Leute bezahle ich übrigens aus eigener Tasche!

Map Of Hope: Das wäre meine nächste Frage gewesen.

Dr. Istrate: Und warum mache ich das? Weil ich es so möchte. Weil ich Tieren helfen möchte. Und ich schwöre bei was auch immer, z.B. bei meiner Seele, daß es so ist. Aber die Leute wollen das einfach nicht glauben und verstehen.

Map Of Hope: Vielleicht wird unser heutiges Gespräch ja hier ein wenig beim Verstehen helfen.

Dr. Istrate: Schauen Sie, manchmal macht mich das wahnsinnig. Ich habe ein starkes Gehirn, und ich bin doch nicht verrückt! Glaube ich jedenfalls.

Map Of Hope: Gibt es verschiedene Leute oder Organisationen, die Hunde aus Mangalia herausholen? Oder ist es lediglich Nero Lino E.V.?

Dr. Istrate: Wenn ich es in Prozent sagen soll, ungefähr 95% der Hunde wurden durch Nero Lino E.V. herausgeholt. Die restlichen 5 Prozent wurden durch Einzelpersonen adoptiert.

Map Of Hope: Rumänen?

Dr. Istrate: Ja, Rumänen. Manchmal ein Hund, manchmal zwei Hunde, manchmal drei Hunde…

Map Of Hope: Als Haustier für sie selbst, oder um sie für Ausländer zu retten?

Dr. Istrate: Nein, nein, nein, für zuhause!

Map Of Hope: Ich möchte noch einmal auf die 95% zurückkommen, die Sie erwähnten. Ich habe gehört, daß eine andere Organisation, nicht Nero Lino E.V., ungefähr 50 Hunde am vergangenen Donnerstag, den 17.04.2015 in Mangalia abgeholt hat. Damit wären es genaugenommen nicht eine, sondern zwei Organisationen, die Hunde aus Mangalia gerettet haben, richtig?

Dr. Istrate: Ja. Stimmt.

Map Of Hope: Ich möchte meine Frage noch einmal anders stellen: Die Hunde, die durch Hundefänger in das Biobaze Shelter gebracht werden, ja? Wenn die dort mehr als 21 Tage wären, würden sie getötet, richtig? Aber sie werden alle vorher herausgeholt. Wenn also 95 % der Hunde durch Organisationen herausgeholt wurden, und nicht alle durch Nero Lino E.V. dann bedeutet das, dass eine andere Organisation auch Hunde aus dem Shelter Mangalia herausholt. Richtig? Eine Organisation, zu der auch eine Schweizerin, Frau B. gehört, schreibt im Internet, daß auch sie Hunde aus Mangalia herausgeholt hat.

Dr. Istrate: Ja, richtig. Ja.

Map Of Hope: Diese Organisation. Hat sie schon früher Hunde aus dem Shelter Mangalia herausgeholt, oder war es das erste Mal?

Es gibt leider viele ungerechtfertigte Beschuldigungen gegen mich von einer Dame

Dr. Istrate: Sie hat eine Woche vorher schon einmal sieben Hunde geholt. Und am 17. April noch einmal 50. Aber da gibt es grosse Meinungsverschiedenheiten. Denn diese Dame will einfach nicht die Abläufe verstehen und die Gesetzeslage in Rumänien. Obwohl sie diese Gesetze auch respektieren muss. Es gibt von ihrer Seite viele ungerechtfertigte Beschuldigungen. Für mich unverständlich. Aber ich versuche, das zu ignorieren. Nero Lino E.V. hat mir empfohlen, mich öffentlich dazu zu äussern. Aber ich habe geantwortet, daß ich für so etwas keine Zeit habe. Fulvia Dietz von Nero Lino E.V. zuliebe habe ich dann versucht, mit dieser Dame zu reden. Aber diese Dame möchte einfach nicht verstehen. Sie stösst unverständliche Beschuldigungen aus und ich überlege ernsthaft, das jetzt gerichtlich klären zu lassen. Aber darüber werde ich noch nachdenken.

Map Of Hope: Wenn wir alle diese „politischen Aspekte“ einmal weglassen: Am vergangenen Donnerstag bekam diese Organisation also alle Hunde, die sie reserviert hatte? Und alle Papiere und sie verfrachteten sie in einen grossen LKW…

Dr. Istrate: Ja. Richtig.

Map Of Hope: Wer verlädt normalerweise Hunde, die abgeholt werden? Die Abholer oder Biobaze-Leute?

Dr. Istrate: Nein, das machen nur die Biobaze-Leute. Und in der letzten Zeit waren von uns auch keine Leute dort. Nur ich selbst.

Map Of Hope: Ich verstehe. Das bedeutet also, wenn ich z.B. einen Hund in einem dieser Biobaze Shelter adoptiere, dann kann ich an der Türe warten, und sie bringen mir den Hund. Wie sie den anfassen und dabei behandeln kann ich nicht beeinflussen. Richtig?

Dr. Istrate: Richtig, weder Sie noch ich haben dabei Kontakt oder Einfluss darauf, wie der Hund herausgeholt und angefasst wird bei der Übergabe.

Map Of Hope: Und wenn ein LKW kommt, der 50 Hunde abholen soll, gilt das genauso? Die Transportbegleiter können die Türen von dem LKW öffnen und schliessen, aber selbst Hunde vom Zwinger zum Auto bringen dürfen sie nicht?

Dr. Istrate: Ich habe die Frage jetzt nicht verstanden.

Map Of Hope: Ich versuche gerade, zu verstehen, wie es funktioniert. In Bukarest Pallady z.B. war lange üblich, daß die Leute, die dort Hunde adoptierten, die Hunde von ASPA Shelterpersonal bis zu ihren Autos gebracht bekamen. Und jetzt frage ich mich, wie der Ablauf in einem Biobaze Shelter normalerweise ist. Wenn da also ein LKW ist. Und der kommt von einer internationalen Organisation, gehen die also rein zu den Zwingern und holen „ihre“ Hunde heraus und bringen sie zu ihrem Auto, oder ist das die Aufgabe der Biobaze-Mitarbeiter?

Dr. Istrate: Nein, das machen nur die Biobaze Leute! Die internationalen Organisationen sind ja nicht bei Biobaze angestellt. Und letzte Woche kam ja auch nur ein Fahrer.

Map Of Hope: Sie haben nur einen Fahrer geschickt? Niemand sonst war dort?

Dr. Istrate: Nein. Definitiv nein.

Map Of Hope: Aber es war klar für alle, welche Hunde reserviert waren, und alles war in Ordnung, Sie haben alle Formalitäten erledigt. Und dann hat ein Mitarbeiter von Biobaze einen Hund verletzt…

Dr. Istrate: Ich glaube, ja, denn ich habe am Tag darauf so etwas gehört. Aber als der Wagen das Shelter verliess, war noch alles in Ordnung.

Map Of Hope: Es wurde also kein toter oder fast toter Hund zurückgelassen, Sie wurden nicht gerufen, um einen Hund bei oder in diesem LKW zu versorgen, keiner sagte Ihnen etwas von einem eventuellen Problem, und Sie haben erst später davon erfahren?

Ich drückte trotz Bedenken alle Augen zu, um die Abfahrt von 50 Hunden zu ermöglichen

Dr. Istrate: Nein. Ich habe zwar bei Ankunft meine Bedenken zu dem Fahrzeug geäussert. Aber der Fahrer sagte zu mir: Schauen Sie, ich fahre für eine internationale Organisation und ich weiss, was ich tue. Ich fragte ihn, ob er nicht auch denke, daß 50 Hunde dort drinnen deutlich zu viel seien. Er meinte, das soll ich seine Sorge sein lassen. Ich habe dann den Mann kontaktiert, wo die Hunde hingebracht werden sollten, und der hat gesagt, er übernähme die Verantwortung, ich soll dem Fahrer die Papiere aushändigen und alles sei in Ordnung. Ich habe also ein Auge zugedrückt. Schliesslich war das eine Chance für diese 50 Hunde, gerettet zu werden. Wenn ich alle Vorschriften eingehalten hätte, wäre es unmöglich gewesen, die Hunde so abzutransportieren. Aber ich sage es noch einmal. Ich habe hier alle Augen zugedrückt, wenn Sie es genau wissen wollen.

Map Of Hope: Konkret gibt es Gerüchte, daß ein Hund verstorben ist, während die Tiere in den LKW verladen wurden.

Der zweite Teil des Interviews befindet sich hier