Ich habe die Hölle gesehen – Teil 2

Anmerkung: Bitte alle Artikel zum Thema Barcea und Familie Istrate  hier lesen

Wir versuchen, Dinge zu verändernheader2

Interview mit: Dr. Valentin Manuel Istrate und Florentina Istrate, Bukarest

Datum: 20.04.2015

Ausgeführt durch: Eckhard Kretschmer

English translation available here

Lesen Sie auch: Ich habe die Hölle gesehen – Teil 1

Was geschah vor Abfahrt des LKW am 17.04.2015?

Map Of Hope: Herzlich willkommen Florentina Istrate! Ich freue mich, daß ich auch Sie kennenlernen darf. Willkommen zurück Dr. Istrate! Lassen Sie uns nach der Pause jetzt dort weitermachen, wo wir aufgehört hatten, und zu den Ereignissen des 17.04.2015 am Public Shelter von Mangalia zurückkehren.

Es gab da eine Organisation, die von einer Frau vertreten wird. Ihr Name war Frau B.. Sie lebt in der Schweiz. Sie hat einen Fahrer geschickt, die Hunde abzuholen, die einige Tage vorher reserviert worden waren. Der Fahrer kam alleine. Und er kam mit einem LKW. Und Sie haben diesen LKW gesehen. Und Sie haben mit dem Fahrer gesprochen: „Sind Sie sicher, ich glaube nämlich, der Wagen ist zu klein für so viele Hunde“. Damit endete der erste Teil unseres Gespräches.

Dr. Istrate: Genau.

Map Of Hope: Dann haben die Leute von Biobaze angefangen, die Hunde in den LKW zu verladen.

Dr. Istrate: Richtig.

Map Of Hope: Ich habe gehört, bzw. genauer gesagt, ich habe im Internet gelesen, daß einer der Hunde von einem Biobaze-Mann verletzt wurde, eine starke Verletzung am Hals erlitt, dann fast tot im LKW war, und dann habe ich verschiedene Versionen mitbekommen, wie es mit dem Hund weiterging.

Dr. Istrate: Ich glaube, es handelt sich hier um einen Trick.

Map Of Hope: Was meinen Sie in diesem Falle mit „Trick“?

Dr. Istrate: Was ich glaube, ist, dass dieser Hund ist nicht bei Biobaze gestorben ist. Das zuerst. Zweitens wurde dieser Hund zusammengesperrt in eine kleine Box mit vier anderen Hunden. Wissen Sie, was das bedeutet, so wenig Platz, 1 Quadratmeter? Wenn man da drei, vier oder fünf Hunde zusammenpfercht?

Map Of Hope: Wissen Sie welche die Grösse diese Hunde hatten? Wie Deutsche Schäferhunde oder…

Florina Istrate: Es waren kleine Transportkäfige.

Map Of Hope: Waren die verladenen Hunde eher so gross wie Pudel, oder Jackrussels, oder eher eher wie Deutsche Schäferhunde?

Dr. Istrate: Jetzt verstehe ich. Ja. Eher wie Deutsche Schäferhunde, 30-Kilo-Hunde. Ja.

Map Of Hope: Ich fasse zusammen: Wir sprechen hier also von 120-150 Kilogramm Strassenhund pro Quadatmeter?

Dr. Istrate: Korrekt.

Map Of Hope: Und die sind natürlich alle gestresst und nicht gerade freundlich…

Dr. Istrate: Exakt. Natürlich!

Map Of Hope: Wissen Sie noch, wann genau sie zuerst erfuhren, dass einer dieser Hunde ein Problem hat?

Dr. Istrate: Das war, als Frau B. das am nächste Tag veröffentlichte.

Map Of Hope: Es hat also niemand Sie gebeten, herauszukommen, zu dem LKW zu kommen und einem Hund zu helfen. Kein Biobaze Mitarbeiter, auch sonst niemand?

Dr. Istrate: Nein. Niemand. Nein. Ich war da länger am telefonieren mit den Frauen dieser Organisation. Eine war auf Arbeit und eine andere, Frau B., die allerdings anfing, mit mir über die vereinbarten Kosten zu streiten. Sie meinte, sie würde mir das Geld nicht geben wollen, aber vielleicht überweisen… Ich sagte, „Schauen Sie, Frau B., Sie bezahlen nur die Microchips, die Gesundheitsbücher, Entwurmung und Impfung. Das ist doch alles!“ Ich hatte Frau B. vertraut weil Fulvia Dietz von Nero Lino E.V. mir gesagt hatte, sie sei vertrauenswürdig. Unser telefonischer Streit dauerte ungefähr 2 Stunden…

Map Of Hope: Hatten Sie die Möglichkeit, die Biobaze Mitarbeiter auf diesen Vorfall anzusprechen? Haben die sich an irgendetwas erinnert? Oder haben die Ihnen irgendetwas von sich aus gesagt?

Dr. Istrate: Ich verstehe die Frage nicht. Was für eine Frage mit den Biobaze Leuten?

(Dolmetscherin unterstützt)

Dr. Istrate: Aha, ob jemand von Biobaze mir von dieser Geschichte erzählt hat?

Map Of Hope: Ja

Dr. Istrate: Nein! Natürlich nicht! Und ich bin recht sicher, warum nicht. Weil diese Leute nichts falsch gemacht haben. Ich habe Ihnen ja gesagt, als der LKW abfuhr, stand ich davor und fragte den Fahrer: „Wollen Sie diese Hunde wirklich so transportieren?“ Und der Fahrer antwortete „Schauen Sie, es ist mein Business. Und ich weiss genau was ich tue.“ Ich entgegnete „Sie wissen schon, daß Sie fast 350 Kilometer Fahrt vor sich haben?“ . Er sagte wieder „Das ist mein Beruf. Ich weiss genau, was ich tue“. Dann gab ich meine Zustimmung…

Florina Istrate: Möchten Sie meine Meinung dazu hören?

Map Of Hope: Gerne

Florina Istrate: Es ist nicht normal, so viele Tiere von einer einzelnen Person transportieren zu lassen. Denn, wenn Sie die Hunde in dieser kleinen Käfige sperren, streiten diese sich während der Fahrt. Wenn nur eine Person dabei ist, in diesem Falle nur der Fahrer, wie kann der das managen, wenn er etwas von drinnen hört? Er muss das Fahrzeug anhalten, reingehen, schauen, was los ist… Es ist doch notwendig, daß jeder Transport von mindestens zwei Personen begleitet wird.

Map Of Hope: Danke für Ihre Einschätzung. Ich habe eine Frage zu dem Fahrzeug: Ich habe die Informationen, aber vielleicht stimmen die auch nicht, daß, wenn jemand in Rumänien Tiere transportiert, lebende Tiere, das entsprechende Fahrzeug dafür zugelassen sein muss und dass so ein Fahrzeug von aussen sichtbar entsprechend gekennzeichnet sein muss. Haben Sie diese vorgeschriebene Kennzeichnung an dem LKW gesehen?

(Dometscherin unterstützt)

Dr. Istrate: Nein, nein, nein, nein, nein!

Florina Istrate: Mein Mann sagt, da war nichts…

Dr. Istrate: Da war nur ein Bild von einem Hund wie ein Auto, irgend so etwas mit dem Wort „Achtung“ kombiniert.

Map Of Hope: Sie sagen, daß sie denken, diese Hunde seien 350 Kilometer mit diesem LKW transportiert worden? Wissen Sie also, wohin diese Hunde gebracht wurden? In welcher Stadt sind die Hunde jetzt?

Dr. Istrate: Das ist zufällig derselbe Ort wie mein Private Shelter. Nahe Tecuci.

Map Of Hope: Verstehe. Das sind viele Stunden Fahrt, wenn man mit einem grossen LKW unterwegs ist. Wie lange wird das gedauert haben? Wie lange werden sie unterwegs gewesen sein?

Dr. Istrate: Ich schätze, das können 7-8 Stunden Fahrt gewesen sein.

Map Of Hope: Danke für diese Einschätzung. Wie ist eigentlich die Gesetzeslage in Rumänien, was den Transport toter Tiere betrifft? Dürfen diese zusammen mit lebenden Tieren transportiert werden?

Dr. Istrate: Nein, natürlich müssen die getrennt voneinander transportiert werden! Wenn Sie das wissen wollen? Zu dem LKW: Ich glaube schon, daß das Fahrzeug für den Transport im Prinzip zugelassen gewesen sein könnte. Aber mit Sicherheit wurde die Anzahl maximal zugelassenen Tiere für die Fläche überschritten. Es war ja ein IVECO Transporter, in den 50 Hunde geladen wurden. Hunde, was hier bedeutet, wie Wölfe. Die meisten von ihnen mit Sicherheit grösser als 25/30 Kilo. Wissen Sie, was das bedeutet? Und wenn Sie bis zu 5 von denen in diese kleinen Käfige sperren… Glauben Sie mir, das war der Grund. Da wird etwas versucht, etwas behauptet, was ich auch nicht genau verstehe,

Versuch, 6 Hunde mitzunehmen ohne Einverständnis des Eigentümers

Florina Istrate: Ich möchte Ihnen zu dem Transport und der Schweizerin noch etwas erzählen: Letztes Jahr hat sie unser Private Shelter in Tecuci besucht. In Barcea.

Map Of Hope: Sie meinen, Frau B.?

Florina Istrate: Sie kam als Mitglied von Nero Lino. Wir haben seinerzeit Frau B. davor getroffen, letztes Jahr als sie kam, das Shelter zu besuchen. Wir haben ihr erlaubt, das Shelter zu betreten, auch wenn wir nicht dabei waren. Sie ging dort alleine hin. Sie hat Fotos gemacht. Alles schien in Ordnung. Sie vermittelte uns den Eindruck, daß sie es gut meinte mit den Hunde und deren Rettung und Pflege unterstützte und so weiter… Nach diesem Besuch haben wir sie dann noch am Flughafen gesehen. Sie verabschiedete sich freundlich und alles schien in Ordnung. Danach begann sie, mit Nero Lino E.V. und Fulvia Dietz zu streiten. Und schliesslich hat sie sich von Nero Lino getrennt.

Am 29.03.2015 kam sie dennoch nach Barcea. Aber sie war kein Mitglied von Nero Lino mehr. Wir betreiben ein geprüftes und autorisiertes Private Shelter. Da darf man nicht einfach so hereinspazieren. Vor allem nicht, wenn wir gar nicht vor Ort sind! Sie war drinnen und wollte sogar 6 Hunde herausnehmen, aus unserem Private Shelter! Ich habe ihr erklärt: „Frau B., das geht nicht! Sie können doch nicht einfach Hunde herausholen. Dafür muss die Erlaubnis durch Nero Lino E.V. vorhanden sein! Die Hunde gehören doch nicht uns! Das ist kein Public Shelter und das sind keine Strassenhunde, die niemandem gehören, wo man sich einfach welche aussuchen und mitnehmen darf! Das sind Hunde mit Besitzern! Und wenn Sie davon welche mitnehmen wollen, egal ob einen oder zwanzig, dann müssen Sie mir das schriftliche Einverständnis der Besitzer nachweisen! Ich kann die doch nicht einfach so herausgeben!“ Sie hat daraufhin auf Facebook einen grossen Skandal daraus gemacht und ist dann nach Mangalia gefahren. Eine Freundin von Frau B., eine Frau Z. aus Schweden kontaktierte mich danach. Sie sprach mich auf das Gerücht an, mein Ehemann würde am Folgetag nach Mangalia fahren und dort alle Hunde töten. Ich sagte zu ihr, „Frau Z., mein Mann tötet keine Hunde!“

Mein Mann tötet keine Hunde

Ich weiss nicht, ob Sie unsere Geschichte kennen, mit den Hunden, und wissen, warum wir mit der ASPA kooperieren, dass wir seit vielen Jahren schon versuchten, Zugang zu den ASPA Shelters zu bekommen. Hören Sie mir bitte genau zu. Ich möchte ganz klar sagen: Wir sind das einzige Tierarztunternehmen dieser Grösse, das gleichzeitig Tierarztpraxen betreibt, und an ASPA Verträgen teilnimmt. Warum betone ich das so? Weil ich nichts zu verbergen habe! Verstehen Sie?

Map Of Hope: Ich fasse zusammen: Sie sagen offen, daß sie den Vertrag haben mit der ASPA, und dass sie die Tierarztpraxenkette haben, weil sie nichts zu verbergen haben. Richtig?

Florina Istrate: Richtig. Als bekannt wurde, daß wir als einziges Tierarztunternehmen mit Praxen in Bukarest durch Ausschreibung den Zuschlag zur Arbeit in ASPA Shelters bekommen haben, waren wir das erste Ziel für Menschen, die uns beschuldigten, Hundemörder und vieles mehr zu sein. Wir waren bekannt und leicht zu finden. Verstehen Sie? Dabei waren wir in Projekte involviert, etwas für die Hunde zu tun. Im letzten Jahr hat jeder Hund, zu dem wir Zugang hatten, das von uns bekommen, was wir ihm geben konnten, zu überleben. Das ist für mich das Wichtigste.

Die Zeit war nicht unser Freund

Diese Hunde bei uns in diesem Private Shelter, mehrere hundert Hunde, sind jetzt nicht mehr in den Händen der Hundefänger Mangalias. Weil wir sie gerettet haben. Ok, es ist sehr schwer gewesen, weil wir dieses Projekt im Winter begonnen haben. Wir haben unter Zeitdruck zusammengearbeitet. Vielleicht wurden Fehler gemacht. Ja. Wir haben erst einmal die Hunde hereingebracht und dann weitergebaut. Am besten ist es natürlich, erst alles fertig zu bauen und dann mit Tieren zu bevölkern. Aber die Zeit war nicht unser Freund. Wir waren gezwungen, erst die Hunde zu beherbergen und dann auszubauen.

Map Of Hope: Das verstehe ich. Lassen Sie uns jetzt über die Zukunft sprechen. Was genau sind die Pläne für das Tecuci Shelter? Was wird jetzt benötigt?

Zukunftspläne

Florina Istrate: Die Pläne für die Zukunft? Wir wollen etwas anderes machen. Zum Beispiel sind wir uns einig, kein Geld für die Unterbringung zu verlangen, für „Foster“ und solche Dinge. Wir erwarten Futter, wir erwarten, daß Organisationen, die Hunde bei uns unterbringen, sich einbringen, wir brauchen Freiwillige, und zwar keine Leute, die kommen, Fotos machen und dann Skandale lostreten. Verstehen Sie? Die Zukunft ist meiner Meinung nach, aussen grosszügige Zwingeranlagen zu bauen, die Hunde gut separieren zu können falls notwendig. Für mich das Allerdringendste im Moment ist, die Hunde herauszubringen. Denn der Sommer kommt, und ich brauche Zeit, um innen sauber zu machen und die Bedingungen zu verbessern. Im Sommer ist es besser für die Hunde draussen. Und den ganzen Sommer über können wir innen ausbauen. Zum Beispiel Wasser an jeden Zwinger heranführen und solche Dinge. Und viele weitere notwendige Dinge.

Map Of Hope: Das hört sich so an, als ob Sie damit rechnen, daß es dieses Shelter sehr lange geben wird? Daß noch mehr Hunde von anderen Public Shelters dazukommen könnten? Und gleichzeitig die Hunde, die dort sind, neue Familien finden und ausreisen können und so Platz für die Neuen freimachen?

Florina Istrate: Ja, mit der Hilfe von Nero Lino E.V. können wir das schaffen und neue Hunde aufnehmen. Andere Hunde retten. Aber unabhängig davon, daß sie nur vorübergehend hier sind, ist es mir wichtig, daß sie auch hier ein gutes Leben haben. Bewegung haben. Herausgehen können, verstehen Sie? An der Leine laufen lernen, von Leuten besucht werden, mit Kindern…. Wir wollen einen Unterschied machen, nicht nur zu Public Shelters. Es soll ein Zusammentreffen von Menschen und Tieren möglich sein. Fast so, wie das, was Sie in Deutschland einen „Streichelzoo“ nennen. Damit bauen wir auch Vertrauen auf und arbeiten an der Einstellung. Vertrauen der Tiere in Menschen, aber auch eine Änderung der Einstellung von Menschen zu den Tieren. Es gibt bei uns ja nicht nur Hunde. Inzwischen sind hier auch Schafe, gerettete Pferde und andere Tiere, die in Not waren.

Map Of Hope: Das klingt wunderbar. Aber alles das wird die Rumänischen Menschen nicht davon abhalten, auch weiterhin Hunde in Mangalia und überall auszusetzen. Und damit werden die Geburten weiterer Strassenhunde nicht verhindert. Und damit wird das Einfangen dieser Strassenhunde und das Verbringen in Public Shelter wie das von Mangalia nicht gestoppt. Richtig?

Florina Istrate: Ja. Richtig.

Map Of Hope: Dass Projekt ist also eine Hoffnung für ungefähr 500 Hunde und einige andere Tiere. Vielleicht, noch 100 Hunde mehr. Aber wie kann Ihrer Meinung nach da Nachwachsen von Welpen über Welpen auf den Strassen gestoppt werden?

Florina Istrate: Das ist ein grosses Problem hier in Rumänien. Das seit 15.01.2015 gültige Gesetz über Hunde besagt, dass jeder Hund gechipped und im nationalen Register von Hunden mit Eigentümer eingetragen sein muss. Die Landtierärzte, die die Tiere auf den Dörfern betreuen und die Hausbesuche machen, verlangen viel Geld für solche Sachen. Impfen, Gesundheitsbuch, Registrierung, Microchip. Mit der Chippflicht soll sichergestellt werden, daß man beim Aussetzen zukünftig erwischt wird…

Map Of Hope: Wenn ich es vergleiche, dann war die ASPA in Bukarest einigermassen erfolgreich damit, die Strassenhundepopulation für den Moment stark zu reduzieren. Aber nur für den Moment.

Florina Istrate: Sie wollen wirklich wissen, was die ASPA zur Reduzierung der Anzahl der Strassenhunde tun kann?

Map Of Hope: Ich sage es anders: Dank ASPA gibt es aktuell im Zentrum von Bukarest sehr viel weniger Hunde als vorher. Das gilt jedenfalls für den Moment. In anderen Städten, wie z.B. in Pitesti, Craiova und anderen Städten laufen oder liefen grossangelegte Kastrationsprojekte. Vor einigen Tagen war sogar ein Tierarzt aus Craiova, Dr. Aurelian Stefan, in Tecuci und hat kostenlos die Hunde von Eigentümern in Tecuci kastriert. Wissen Sie von ähnlichen Projekten in Mangalia?

Ich möchte auch Kastrationsprojekte machen

Florina Istrate: Ja, so ein Projekt möchte ich dort machen! In Tecuci und auch in Mangalia! Eine Woche vorher dorthin gehen, das Projekt bekannt machen, und dann nach einer Woche kommen alle Leute mit ihren Hunden zu Biobaze und wir kastrieren ihre Hunde. Wir haben so etwas auch schon in der Vergangenheit gemacht in Mangalia. In Tecuci fehlt uns bisher die Infrastruktur dafür, Praxisräume. Verstehen Sie? Für die Hunde, die bei uns untergebracht sind, aber auch für Besitzerhunde.

Map Of Hope: Die können dann da mit ihren Hunden hinkommen?

Florina Istrate: Ja! Das aber nicht als Einnahmequelle für uns! Wissen Sie? Wir sterilisieren ja auch Hunde von Aussen im Shelter. Es gibt ja auch viele Hunde in der Gegend die eine Behandlung brauchen. Impfungen, solche Dinge…

Dr. Istrate: Schauen Sie, jetzt habe ich eine Frage, eine Rückfrage an Sie, Herr Kretschmer: Was genau verstehen Sie unter einer „kostenlosen Kastration?“ Was bedeutet das für Sie?

Map Of Hope: Nichts ist kostenlos. Weil jemand ja die Medikamente bezahlen muss, weil jemand das ganze Material bezahlen muss und so weiter.

Dr. Istrate: Exakt! Ich kann das jederzeit tun!

Map Of Hope: Ich spreche gerade von Hunden mit Besitzern. Über Leute, die Hunde in Mangalia z.B. besitzen. Und die sich einen Chip und eine Impfung nicht leisten können oder wollen, und lieber dann Hunde aussetzen. Diese Hunde werden dann Strassenhunde. Und diese Hunde reproduzieren sich dann.

Schon morgen könnten 20 Tierärzte in Mangalia kostenlose Kastrationen durchführen

Dr. Istrate: Schon morgen, wenn Sie wollen, und das meine ich ernst und habe es ja schon 100 Mal gesagt, kann ich 20 Tierärzte nach Mangalia bringen, und diese Kampagne durchführen. Aber alle reden, und keiner tut etwas. Jeder sagt: Schau, es ist umsonst. Keiner von denen gibt eine so realistische Antwort wie Sie, Herr Kretschmer! Denn: Natürlich. Jemand muss die Medikamente bezahlen. Natürlich, ich wiederhole das noch einmal, werde ich das gerne alles umsonst machen. Sogar wenn jemand nicht das Geld, sondern direkt das Material zur Verfügung stellt, mache ich das umsonst!

Map Of Hope: Was würde das Ihrer Meinung nach pro Hund kosten? Kastration, Impfung, Gesundheitspass, Chip?

Dr. Istrate: Ich denke, das würde ungefähr 30 Euro kosten. Das beinhaltet Operationsmaterial, Antibiotika, Gesundheitspass und Chip. Dass würde ungefähr 30 Euro sein. Alles ist darin enthalten. Die Medikamente für die Kastrationen, professionelle Antibiotika, die wir den Hunden mindestens 3 Tage nach der Operation noch geben müssen…

Map Of Hope: Wenn ich das richtig verstehe, dann könnten Sie richtig viele Hunde kastrieren, wenn Sie eine internationale Organisation finden würden, die sie mit Material, also Medikamenten usw… unterstützen würde, und würden mit 20 Tierärzten loslegen. Richtig?

Dr. Istrate: Das ist korrekt.

Map Of Hope: Haben Sie denn Kontakte zu anderen internationalen Organisationen ausser Nero Lino E.V.? Zum Beispiel in Deutschland?

Dr. Istrate: Bisher nur mit Fulvia Dietz von Nero Lino E.V.. Für mich reicht ein Ansprechpartner. Sie ist für mich ein zuverlässiger Ansprechpartner.

Map Of Hope: Sie haben nicht den Wunsch, daß z.B. noch eine andere Organisation z.B. sagt, „Ok, wir sponsorn jetzt mal zum Beispiel 200 Kastrationen?“

Dr. Istrate: Natürlich wäre ich sofort einverstanden! Natürlich könnte man das tun! Warum nicht?

Map Of Hope: Wenn also eine Organisation sagen würde: „Hier sind 3000 Euro, können Sie am kommenden Samstag in diesem Dorf die 100 Hunde kastrieren?“ dann würden Sie das tun?

Dr. Istrate: 200, 2000, das wäre alles kein Problem! Ich wäre mit Freude einverstanden! Sie können das bitte auf Band aufnehmen. Ich mache dann gerne 2000 oder 20.000 Hunde! Es ist ja transparent und jeder kann sehen was so ein Microchip, Operationsmaterial, Gesundheitsbuch usw… kostet. Nehmen sie das bitte auf! Das kostet ca. 30 Euro!

Map Of Hope: Danke.

Dr. Istrate: Ist mir ein Vergnügen

Map Of Hope: Ich habe noch eine Frage. Und natürlich dürfen Sie sagen, daß Sie das nicht beantworten können. Ich würde gerne von den beiden Städten, in denen Sie sich wohl am besten auskennen, Tecuci und Mangalia, wissen, ob sie schätzen können, wie viele Strassenhunde in diesen Städten jeweils noch frei auf den Strassen unterwegs sind.

Dr. Istrate: Ich glaube ich kann antworten. In Mangalia werden es noch ungefähr 5000 bis 6000 sein. Ungefähr jedenfalls. Es können auch doppelt soviele werden, denn das Gesetz hat sich ja geändert, wie meine Frau gesagt hat, und ich gehe davon aus, daß viele ausgesetzt werden könnten. In Tecuci sind es 8000 bis 9000 Hunde.

Map Of Hope: Das sind deutlich mehr!

Florina Istrate: Ja, wissen Sie auch, warum? Warum in Tecuci? Weil es rund um Tecuci viele Dörfer gibt. Und die Leute setzen die Hunde dann in der Nähe der Stadt aus.

Dr. Istrate: Wenn sich schnell jemand für die Kastrationen engagiert, natürlich… Das sind heutige Zahlen.. In drei bis vier Monaten werden wir von ganz anderen Zahlen sprechen müssen, weil die Hunde sich ja alle reproduzieren.

Map Of Hope: Glauben Sie, daß das Strassenhundeproblem in Rumänien irgendwann in den nächsten 100 Jahren vielleicht einmal gelöst sein wird?

Das Strassenhundeproblem wird in 10 Jahren beendet sein

Dr. Istrate: Nicht 100 Jahre! Ich glaube, also, das ist meine persönliche Meinung, aufgrund meiner praktischen Erfahrung, diese grosse Problematik wird in maximal 10 Jahren beendet sein.

Map Of Hope: Sie wollen damit sagen, in 10 Jahren wird es keine freien Strassenhunde in Rumänien mehr geben?

Dr. Istrate: Genau! Ja! Da ist meine Meinung. Wirklich. Ich kann das unterschreiben was ich jetzt sage. 10 Jahre. Dazu muss man jetzt grossangelegt zusammenarbeiten. Denn wir reden hier nicht von ein paar Dörfern, wir reden hier von ganz Rumänien, nicht meiner Region Mangalia oder Tecuci. Es gibt so viele Dürfer in Rumänien. Wenn ich das mit der Anzahl der Einwohner multipliziere, und mit den ganzen Möglichkeiten, sich fortzupflanzen für die Hunde… Und wenn man die durchschnittliche Lebenserwartung der Hunde zugrundelegt. Ein Strassenhund lebt etwa 10 Jahre lang, dann komme ich auf diese 10 Jahre. Wenn wir wirklich jetzt loslegen, massenweise zu kastrieren, dann haben wir in 10 Jahren hier dieselbe Situation wie in Ihrem Land, in Deutschland. Das ist die Wahrheit, Herr Kretschmer!

Map Of Hope: Glauben Sie, dass es realistisch ist, davon auszugehen, daß so viele Kastrationen durchgeführt werden? Überall? Und dass die Leute aufhören werden, Hunde auszusetzen?

Dr. Istrate: Ja, ja. ja…

Map Of Hope: Wegen des Gesetzes?

Dr. Istrate: Ja, wegen des Gesetzes!

Map Of Hope: Es wird also jeder…

Dr. Istrate: Daran ist nichts Merkwürdiges…

Map Of Hope: Das bedeutet, alle Rumänen werden kooperieren. Jeder Rumäne wird seinen Hund kastrieren lassen, alle Strassenhunde werden gefangen, adoptiert oder getötet, und anschliessend, wenn Sie in irgendeiner Rumänischen Stadt spazieren gehen, sehen Sie nur noch Hunde mit Eigentümern?

Dr. Istrate: Ja

Map Of Hope: In 10 Jahren?

Dr. Istrate: Ja. In 10 Jahren. Weil sich in 10 Jahren auch die Mentalität geändert haben wird.

Florina Istrate: Und da ist noch etwas anderes…

Dr. Istrate: Es ist erforderlich, und es ist wichtig, das nicht zu vergessen, über die Mentalität.

Florina Istrate: Ja, es gibt ja noch das Gesetz für Hundebesitzer, dass sie jeden Hund, der nicht reinrassig ist, kastrieren lassen müssen. Und wenn sie das nicht tun, beträgt die Strafe ungefähr 1000 Euro. Die Strassenhunde vermehren sich ja auch deshalb so stark, weil Besitzerhunde, die nicht kastriert sind, sie schwängern. Manche Hundebesitzer gehen mit ihren unkastrierten Rüden in den Park und lassen die da einfach mal Spass mit einer läufigen Hündin haben, denken sie. Dadurch entstehen Welpen. Mischlingswelpen.

Dr. Istrate: Selbst wenn Ihr Hund ein Rassehund ist, und Rüde, dann will er immer noch Hündinnen bespringen. Wenn Sie dann mit ihm gassi gehen, oder in den Park, oder in den Wald, und der Hund Sex haben möchte, haben wir 2 Monate später schon 10 Strassenhunde-Mischlinge mehr. Das ist ein grosses Problem.

Florina Istrate: Aber ich habe auch Leute in ganz normalen Tierarztpraxen erlebt, die ihre Haustiere kastrieren liessen!

Map Of Hope: Sie denken also wirklich, daß es zeitnah zu schaffen ist, ein Angebot zu schaffen, daß wirklich alle Hundebesitzer ihre Hunde kastrieren lassen? Wer es bezahlen kann, in der normalen Tierarztpraxis, wer nicht, wenn möglich im Rahmen einer gesponsorten Kastrationsaktion? Auch die Bauern in den Dörfern?

Wenn die Leute etwas umsonst haben können, nehmen sie es an

Dr. Istrate: Ja, Ja. Ich sprach ja schon von der Mentalität. Die Leute auf dem Dorf in Rumänien machen sich nicht viele Gedanken um die Hunde. Aber, wenn sie etwas für umsonst bekommen können, ganz egal was, Hauptsache, es ist umsonst: Wenn es ist umsonst, nehme ich das mit. Verstehen Sie, was ich meine? Ich sage gerade nichts positives über meine Landsleute. Aber so sind sie.

Map Of Hope: Sie sagen damit eigentlich, daß sie nicht auf eine veränderte Einstellung der Menschen hoffen, was Respekt und Liebe gegenüber den Tieren betrifft, sondern auf das „Es ist umsonst“-Argument?

Dr. Istrate: Ganz genau. Ja.

Map Of Hope: Wenn also jemand in Rumänien, oder irgendwo auf der Welt, das Strassenhundeproblem in Rumänien auf Null bringen möchte, müssen kostenlose Kastrationen überall und möglichst gleichzeitig angeboten werden?

Dr. Istrate: Ja, das ist wirklich die Wahrheit! Denn, ich sage es noch einmal, nicht zum ersten, nicht zum zweiten mal, sondern zum dritten: Rumänische Leute sind sehr sehr faul. Und wenn Sie in die Dörfer gehen, und kostenlose Kastrationen ankündigen und das Kastrationsmobil direkt vor ihre Nase stellen, fühlen sie sich sehr wichtig, und sie nehmen ihre Hunde mit und zeigen allen: Schaut, ich gehe mit meinen Hunden dort hin. Kostenlos! Das ist eine Entscheidung durch eine Mentalität der Dummheit. Sicher. Aber das ist die Wahrheit.

Map Of Hope: OK, ich habe es vernommen…

Dr. Istrate: Bitte nicht lachen. Es ist so!

Map Of Hope: Ich bin so ernst wie ich kann. Gibt es noch etwas, was Sie vielleicht vergessen haben, zu sagen, was ich vergessen haben könnte, Sie zu fragen? Wir haben ja eine grosse Tour gemeinsam unternommen in den letzten Stunden.

Florina Istrate: Ich glaube, Sie könnten vielleicht noch fragen, was dieses Projekt für uns ausmacht.

Map Of Hope: Also, wenn ich jetzt richtig gerechnet habe, dann haben Sie genug zum Leben, aber Sie sind keine Millionäre… Und Sie machen es, weil die Hunde und Katzen es möglich gemacht haben, daß Sie heute das sind, was Sie sind. Sie geben ihnen also etwas aus Dank zurück.

(Dolmetscherin unterstützt)

Dr. Istrate: Meine Frau war beim ersten Teil des Gespräches nicht dabei. Daher habe ich ihr gerade gesagt, daß wir darüber schon gesprochen hatten. Und mit Ihrer Antwort, Herr Kretschmer, haben Sie mir bestätigt, daß Sie mich verstanden haben. Danke dafür!

Florina Istrate: Ich möchte noch etwas ergänzen: Am Anfang haben wir in Barcea lediglich Arbeitsplätze für uns und für unser Team schaffen wollen, um dort unserem Beruf nachgehen zu können. Und um Menschen glücklich zu machen.

Map Of Hope: Das bedeutet, sie machen jetzt insgesamt ca. 500 Hunde und ca. 70 Menschen glücklich, ist es so?

Dr. Istrate: Ja

Florina Istrate: Ja. Und noch mehr. Denn wir unterstützen damit ja auch noch Studenten bei ihrer Ausbildung.

Dr. Istrate: Das habe ich ganz vergessen, zu erwähnen: Wir, meine Frau und ich, bilden ja auch angehende Tierärzte aus. Sowohl in der Behandlung von kleinen Tieren als auch von z.B. Kühen.

Map Of Hope: Sie meinen, Universitätsstudenten erlernen die Praxis bei Ihnen?

Florina Istrate: Ja, wir haben viele von ihnen. Wir haben einen Vertrag mit der Universität.

Map Of Hope: Ich hoffe aber, Sie gehen mit Ihren Studenten etwas netter um, als man mit Ihnen während Ihrer Fortbildung in Israel umging?

Dr. Istrate: Ja, das ist ein sehr guter Punkt. Ja, ich denke, dass tun wir. Wenn Sie wollen, kann ich Ihnen sogar Diplome der Universität per Mail schicken, die das zeigen! Dann haben Sie dafür einen Beweis!

Das Töten in den Public Shelters von Bukarest muss gestoppt werden

Florina Istrate: Herr Kretschmer, es ist eine sehr sehr wichtige Sache für mich, daß wir das Töten in den Public Shelters von Bukarest zu stoppen versuchen. Das war der erste und wichtigste Grund für mich, dort hineinzugehen. Und das ist für mich besonders wichtig!

Map Of Hope: Und denken Sie, dass es wirklich dauerhaft gestoppt werden kann?

Florina Istrate: Ich weiss es nicht. Aber ich glaube, und ich hoffe, und ich möchte es sehen und erreichen, dass sie keine Hunde mehr haben zum Einfangen. Das genau ist meine Motivation: Der erste Grund war, hereinzugehen und das Töten zu stoppen. Der zweite, dass sie nichts mehr zum Einfangen haben.

Map Of Hope: Dass verstehe ich. Kennen Sie zufällig Ihren Kollegen Dr. Aurelian Stefan, einen Tierarzt aus Craiova? Als ich vor einigen Tagen ein Interview mit ihm machte, sagte er einen Satz: „Wir müssen schneller sein als die Hundefänger“. Er möchte sicherstellen, dass sie nichts zum Einfangen haben.

Florina Istrate: Ich möchte Ihnen etwas sagen: Ich bin im Prinzip in der Lage, selber Hunde einzufangen, und in ein gutes Shelter zu bringen, einen guten Platz, und zu versuchen, die Mentalität in Rumänien zu verändern. Ihnen einen Schritt voraus zu sein. Das ist auch ein Vorsatz. Aber um solche Dinge zu erreichen, ist es notwendig, von „innen“ dabei zu sein. Und dafür kämpfe ich seit vielen Jahren. Dort hineingehen zu können. Der Preis, den wir dafür ist, daß Leute sehr viele gemeine Dinge über uns erzählen. Aber der Unterschied ist: Wir tun wirklich etwas. Das ist unsere Meinung. Wir bewegen etwas.

Wir versuchen, Dinge zu verändern

Wir versuchen, Dinge zu verändern, Dinge, wie ich bereits sagte, wie z.B. die Mentalität. Das ist schwer. Auch für uns. Aber ich denke, es ist nicht unmöglich. Mit viel Arbeit, Organisation und einem guten Projektmanagement kann es geschafft werden. In diesem Land ist es notwendig, es zu wollen und es zu tun, damit viele denen, die etwas begonnen haben, folgen werden. Es braucht ein Beispiel. Ein Exempel. Unser Projekt ist ein Private Shelter das sich unterscheidet. Viele Leute sammeln Geld für die Unterbringung von Hunden. Wir haben in unserem Private Shelter mehr Kapazität als manche Public Shelter, wissen Sie? Aber wir verlangen kein Unterbringungsgeld. Und meiner Meinung nach setzen wir damit ein Zeichen. Wissen Sie auch warum? Weil wir Tierärzte sind. Und damit schliesst sich der Kreis. Wenn bei uns z.B. ein Welpe krank ist, muss er nicht in ein Auto gesetzt und zu einem Tierarzt gefahren werden. Alles notwendige ist ja vor Ort. Alles, was wir jetzt tun müssen, ist, die Bedingungen zu schaffen, um unserer Arbeit dort nachgehen zu können.

Ich möchte mit diesem Interview eine Nachricht aussenden, über Ihre Seite, wenn es möglich ist. Eine Nachricht an alle Hundefreunde, die nur reden und nichts tun. Ich möchte sie einladen, einen Tag gemeinsam mit uns mit den Hunden im Shelter zu arbeiten. Nach diesem einen Tag bin ich sicher, daß sie ihre Meinung ändern werden.

Map Of Hope: In wiefern?

Man muss vor Ort gewesen sein, um zu verstehen

Florina Istrate: Denn es ist notwendig, vor Ort zu sein, die Dinge zu sehen wie sie sind. Ich hatte diese Woche eine Diskussion mit einer Person, die fragte, warum wir z.B. nicht manche Zwinger nur Rüden belegen. Ich habe ihr geantwortet, dass das unmöglich ist. Wenn wir das tun würden, könnte es passieren, daß unter Umständen in diesem Zwinger nach wenigen Tagen nur noch ein Hund übrig bleiben würde. Wissen Sie auch warum? Antworten Sie mir! Genauso wenig kann ich Hunde aus Dogtown (ehemaliges Vorzeige-Tierheim bei Bukarest) mit Hunden aus Mangalia in einem Zwinger mischen. Sie zeigen ein total anderes Sozialverhalten. Für Leute, die in Deutschland sind, für Leute, die vor dem Computer sitzen, ist es total einfach, solche Vorschläge zu machen. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie schwierig es ist, auch nur die Microchips von 600 Hunden innerhalb weniger Tage auszulesen. Dazu muss man jeden Hund in eine ruhige Ecke tragen, und dort versuchen, den Chip zu finden, und so stressfrei wie möglich zu scannen. Im Vergleich dazu ist die Arbeit mit einer Kuh oder einem Pferd sehr einfach. Da findet man alle notwendigen Daten am Ohr. Das kann man sogar aus der Entfernung ablesen. Bei Hunden ist das schwierig. Man muss ihnen sehr nahe kommen. Man muss sie mit den Händen berühren dürfen. Man muss mit dem Scanner an ihnen entlang fahren. Das ist alles nicht so einfach. Und wenn dabei Unruhe im Zwinger ist, dann ist das sehr sehr schwierig. Es ist alles wirklich nicht einfach. Glauben Sie mir! Wir haben im Private Shelter noch nicht permanent Tierärzte, Leute, die saubermachen, dokumentieren, füttern, verwalten, die Leute, die die Bürokratie erledigen, Das alles lässt sich nie mit einem Public Shelter vergleichen. Auch darüber hatte ich schon eine Diskussion mit jemand.

Dr. Istrate: „Jemand“ bedeutet hier allerdings eine sehr kleine Anzahl von „Jemands“

Florina Istrate: Ja, es geht hier um eine Person. Aber diese einer Person veröffentlichte falsche Informationen über uns, obwohl diese Person uns nie besucht hat. Sie war sogar letzten Monat in Rumänien. Ich finde es unmöglich, solche Dinge zu tun. Man kann doch herkommen, uns besuchen…

Dr. Istrate: Ich glaube, diesen Punkt können wir an der Stelle beenden.

Map Of Hope: Ich glaube auch, daß wir an diesem einen Punkt nicht weiterkommen. Ich möchte aber sagen, daß ich ein wenig unglücklich darüber bin, daß Florentina Istrate nicht von Anfang an an userem Gespräch teilnehmen konnte. Denn ich merke, dass sie sehr viel zu sagen hat, dass ihr viele Dinge wichtig sind, und sie nicht weiss, ob wir die angesprochen haben.

Niemand hat je gefragt: Florentina, wie kann ich Dir helfen?

Florina Istrate: Ja, ich habe so viele Dinge zu erwähnen, weil ich sehr viel Zeit dort verbringe. Ich beobachte die Hunde, ihr Verhalten, organisiere Dinge, versuche, für alle auftretenden Probleme schnell gute Lösungen zu finden. Und alles, was ich empfange ist Hass, Schlammschlacht, alle diese Sachen. Aber niemand von denen ist jemals zu uns gekommen, hat mich an der Schulter berührt und gefragt: Florentina, wie kann ich Dir helfen? Niemand! Verstehen Sie, was ich meine?

Dr. Istrate: Das ist die Gesetzmässigkeit der Dankbarkeit. Du musst nur versuchen, etwas so gut wie möglich zu machen…

Map Of Hope: Frau Istrate, Dr. Istrate, ich bedanke mich für das ausführliche Gespräch und die offenen Antworten, die ich heute von Ihnen bekommen habe.

Florina Istrate: Danke

Dr. Istrate: Danke für Ihre Zeit