Ich musste das einfach selbst alles sehen…

Rumänische Shelter – ein Reisebericht

Vom 10. bis 15. Mai 2015 verschafften sich zwei Tierschützerinnen aus Deutschland einen Überblick über einige umstrittene und unumstrittene Shelter in Rumänien.

Heike Smith und Sabine Pu bereisten Plätze, von denen sie bisher nur gehört und gelesen hatten. Ihre Eindrücke schildert Heike auf ihrer Facebookseite. Wir haben ihr OK, ihre Reisenotizen und Bilder hier zu veröffenltichen.

Die Autorin beschreibt die Situationen und Shelter, wie sie ihr gezeigt wurden, und wie sie sie wargenommen hat. Insbesondere in den Public Shelters Mangalia und Bukarest / Pallady ist nicht auszuschliessen, daß “Interessierte” trotz unvorbereitetem Besuch Informationen unterschlagen bzw. den Versuch einer optimierten Darstellung der aktuellen Situation unternommen haben. EK


10.05.2015 Bukarest

Ich bin überrascht..positiv. wir waren heute in verschiedenen Sektoren…nirgends ein Straßenhund zu sehen , aber Hunderte Menschen mit ihren Hunden an der Leine. Friedlich in den Parkanlagen..mittendrin spielende Kinder…

Bukarest 11.5.2015 Onevet-Klinik und Glina

In der Onevet-Klinik besuchten wir 2 Patenhunde von Sabine, die im Glinashelter waren und am 12.5.2015 ihre Reise zu ihren neuen Familien antreten sollten. Rechtzeitig konnte man sie noch verabschieden. Danach sind wir ins Glinashelter gefahren. Sehr schwer zu finden. Dort befinden sich geschätzt 400 Hunde, die ständig Sponsoren brauchen, um gut versorgt zu werden. Mein vollster Respekt an die Helfer dort!


Bukarest PS Pallady 12.05.2015.

Vor diesem “Besuch” hatte ich die meiste Angst….Wir warteten eine Weile auf dem Hof und dann führte uns ein Pfleger in das Haus mit den Hunden. Ich war überrascht, wie klein es dort war. Nur 12 Kennels/Boxen. 1 Gang von ca. 15 Metern, 12 Kennels. In den meisten Kennels befanden sich ca. 6 Hunde, in einem war eine Hundemama mit 11 oder 12 Welpen. 2 Kennels waren voller Junghunde, ca. 3 Monate alt. Ich versuchte, ruhig zu bleiben und Fotos zu machen. Die hunde waren relativ ruhig, man sagte, daß sie “Beruhigungsmittel” bekommen. Der Pfleger forderte uns auf, viele Fotos zu machen, er schloß auch einige Kennels auf, um besser fotografieren zu können. Die Shelterärztin kam inzwischen hinzu und holte einen kleinen, etwas älteren Hund aus einem der hinteren Käfigen. Er sei noch nicht reserviert, soll aber bitte nicht übersehen werden. Es war eine sehr bedrückende Situation da drin. Wir entschieden uns, ein Geschwisterpärchen zu reservieren. Die Reservierung ging relativ unkompliziert von Statten. Ausweis und Unterschrift. Es sollte aber Verdienstbescheinigung, Bilder der Wohnsituation usw. nachgereicht werden bei Vertragsabschluß. Für solche Dinge braucht man auf jeden Fall Jemanden, der alles übersetzt und sich mit dem Schreibkram auskennt. Am Donnerstag wurde alles komplett gemacht und die beiden Hunde sind inzwischen draußen und nun in einer Pflegestelle, wir haben die Hunde vorerst distanzadoptiert. Einfach dort klingeln und einen (oder mehrere) Hunde zu adoptieren, ist verdammt schwer.


Tecuci 12.05.2015.

Dank sehr guter Kontakte hatten wir 4 Tage 2 rumänische “Chauffeure”, die uns den Stress der Fahrerei auf Rumäniens Straßen abnahmen. Nach ca. 3 Stunden Autobahnfahrt kamen wir in Tecuci (Nähe der ukrainischen Grenze) an. Während der Fahrt sah ich ununterbrochen aus dem Fenster…ich zählte 15 tote/überfahrene Hunde am Straßenrand. gegen 15 Uhr kamen wir im Shelter von Nero Lino an und wurden sofort mit offenen Armen (und Pfötchen) empfangen. Kurzer Smalltalk (mein englisch ist grottenschlecht) gab man uns Schutzkleidung und dann begann der Rundgang durch das Shelter. In diesem Shelter befinden sich ca. 500 Hunde. Mütter mit Welpen waren im Außenbereich (mit Holzhundehütten als Schutz) untergebracht. Die riesige Halle mit den geretteten Hunden von Dogtown und Bragadiru wirkte auf mich im ersten Moment etwas schockierend. Als wir in die Halle traten, bellten die Hunde. Es war extrem laut. Sabine suchte “ihre” distanzadoptierten Hunde. Einer nach dem Anderen wurde rausgebracht zum Fotografieren. Es ist umheimlich schwer, Fotos in der Halle zu machen, da die Hunde logischerweise aufgeregt sind. Als wir am 12. Mai dort waren, wurde gerade am Außengehege für die Hunde gearbeitet. Auf Bilder vom 14.5. kann man inzwischen sehen, daß Freilauf gewährleistet ist. Dieses Projekt ist mit immenser Arbeit und mit extremen Kosten verbunden. Viele der Distanzadoptionen sind ja zwischendurch “steckengeblieben”..es kam wegen mangelndem Informationsfluss kein Geld mehr rein. Ich kann es nun verstehen, es fehlt die Zeit, um Fotos zu machen. Habe selber gemerkt, wie schwer das ist.
Es geht nur schrittweise voran..Step by step. Ich werde dieses Projekt unterstützen…


PS Mangalia 13.05.2015

Alle Zwinger sind voll, eine Tötung der 60 Hunde war für den 22.05.2015 angesetzt; diese wurde durch eine Rettungsaktion verschiedener Vereine gerade noch verhindert.


Privates Shelter Mangalia, noch im Aufbau 13.05.2015

In einer sehr idyllischen Ecke mit Blick zum Meer ist gerade ein Privatshelter im Aufbau.Wir wurden ganz herzlich von Dorina, die sich dort liebevoll um die Tiere kümmert, begrüßt und umarmt.

Das Grundstück wurde von einem Tierfreund aus Mangalia zur Verfügung gestellt und die ersten Fortschritte sind zu sehen. Es werden mehrere Kennels (Betonboden, davor Auslauffläche) errichtet. Die ersten Zaunfelder wurden bei unserem Besuch gerade errichtet. Auf dem Grundstück haben Schweine, Hunde und ein Pferd bis jetzt ihr Zuhause gefunden. Derzeit befinden sich dort sehr viele Welpen und Junghunde. Save our Dogs Austria sponsert dieses Privatshelter.

Nach dem Besuch in Tecuci und einer Übernachtung in einer kleinen Pension beschlossen wir kurzfristig, das PS Mangalia aufzusuchen. Natürlich kamen wir zu spät. Besuchszeit war nur von 8 bis 10 Uhr. Nach einigen Telefonaten erreichten wir den Shelterbetreiber, er versprach, zum Shelter zu kommen. Nach 10 Minuten war er da, war relativ freundlich uns gegenüber. Er bat uns herein. Wir standen in einem kleinen ,ringsum von Mauern umgebenen Grundstück . Die Hunde waren ruhig. Als einer unserer männlichen Begleiter dann an einen der Zwinger trat, wurden die Hunde sehr unruhig. Man begründete es damit, daß Hundefänger männlich sind und die Hunde dadurch extrem “aufgewühlt sind. Ich fotografierte jeden der Hunde, streichelte sie. Sie drückten sich für die Streicheleinheiten gegen das Gitter. 3 Zwinger waren noch leer. Alle Hunde hatten frisches Wasser und Trockenfutter, die Käfige waren gereinigt. Ein Arbeiter, der sich ganztags dort aufhält, erklärte, daß jeden Morgen vor Öffnungszeit 2 Damen/Volontärinnen kommen, um die Hunde zu versorgen. Zwinger für Zwinger werden die Hunde zum Freigang gelassen, in dieser Zeit wird gereinigt und Futter aufgefüllt. Die Hunde werden wieder eingeschlossen und der nächste Zwinger ist dran. Auf meine Frage, was passiert, wenn alle Zwinger, also auch die 3 noch Leeren, besetzt sind, wird dann getötet? Nein, hier wird nicht (mehr) getötet. Im Gegenteil, ab nächsten Monat würde ein fester Tierarzt sich um die Hunde kümmern, ärztlich versorgen, kastrieren und dann wird versucht zu vermitteln. Ich kann das nur so wiedergeben, wie übersetzt wurde. Im Büro des Shelterbetreibers waren mehrere Videoansichten der Überwachungskameras zu sehen. Ein “Wachhund”(Bordermix) lief frei umher, er folgte dem Sheltermitarbeiter auf Schritt und Tritt. Ich kann nur hoffen, daß sich dort alles zum Fortschritt und zum Wohl der Hunde tut.