Erfolg: Streuner sind für die EU doch keine Wildtiere

EU-Abgeordnete Marit Paulsen und EU-Kommissar Andriukaitis präsentieren Ergebnis der Übereinkunft von EU Parlament, Rat und Kommission.

DE/EN

Quelle: Vier Pfoten and Vier Pfoten EN

Erfolg für VIER PFOTEN „Wild? Ich?”-Kampagne: Herrenlose Katzen und Hunde sind für EU doch keine Wildtiere

2015-06-03

Aktueller Entwurf des Tierschutzgesetzes enthält wichtige Schritte für Streuner und Heimtiere in Europa

Großer Erfolg für die VIER PFOTEN Kampagne „Wild? Ich?“: Streuner sind für die EU nun doch keine Wildtiere. Die umstrittene Definition hätte eine Grundlage liefern können, diese Tiere zu töten.  Seit dem letzten Entwurf des EU-Tiergesundheitsgesetzes protestierte die internationale Tierschutzorganisation gegen die missbräuchliche Verwendung des Begriffs “Wildtier” in Bezug auf Streunertiere. Diese Woche präsentierten die EU-Abgeordnete Marit Paulsen und EU-Kommissar Andriukaitis das Ergebnis der Übereinkunft von EU Parlament, Rat und Kommission.

Fazit: Auch wenn die Differenzierung zwischen „Wildtieren“ und „Tieren mit Besitzern“ in dem Entwurf enthalten bleibt, wurde eine Klausel eingefügt, die klarstellt, dass Streuner nicht als Wildtiere zu kategorisieren sind. „Wir freuen uns, dass wir mit unserer Kampagne hier etwas bewirken konnten und die EU eine akzeptable Lösung gefunden hat“, sagt Pierre Sultana, Leiter des Europabüros von VIER PFOTEN in Brüssel. Im Zuge des VIER PFOTEN „Wild?Ich? Online-Protests im Februar wurden rund 30.000 Protestemails versandt.

Die neue Regelung wird den Großteil der derzeit gültigen EU-Gesetzgebungen zum Thema Tiergesundheit zusammenfassen. Das Gesetz unterscheidet zwischen Tieren, die als Heimtiere gehalten werden, und solchen, die ohne Besitzer leben, und reduziert damit den rechtlichen Schutz von herrenlosen Hunden und Katzen im Vergleich zu Tieren, die einen Besitzer haben. VIER PFOTEN befürchtete, dass dies eine rechtliche Grundlage liefern könnte, Streuner zu töten. Mit der neuen Klausel gibt es nu eine Lösung für diese Problematik, da Streuner explizit von anderen Tieren ohne Besitzer unterschieden werden.

Der neue Entwurf bringt auch weitere Fortschritte für den Tierschutz: Bereits Artikel 1 des Tiergesundheitsgesetzes beinhaltet eine Klausel, die sicherstellt, dass Programme zur Kontrolle von Streunerpopulationen  human durchgeführt werden müssen, um Tierleid so gering wie möglich zu halten. Die Implementierung der Programme muss zudem transparent gestaltet und mit betroffenen Stakeholdern abgestimmt sein.

Die progressivste Neuerung ist die verpflichtende Registrierung für alle gewerblichen Züchter und Verkäufer von Tieren. „Wir begrüßen diese Initiative, da somit verantwortungsloses  Züchten, Überpopulationen und das Aussetzen von Heimtieren eingedämmt werden kann“, so Pierre Sultana. Darüber hinaus legt das Gesetz einige Grundbegriffe neu fest, die die Umstellung des Tierpasses betreffen und reduziert so die Schlupfwinkel für den illegalen Welpenhandel im Bereich nicht-kommerzieller Transporte.

Trotz aller Verbesserungen bleiben einige Probleme im neuen Entwurf noch ungelöst. VIER PFOTEN ist vor allem besorgt, dass einige Begriffe zu unklar definiert wurden, um die entsprechenden Regelungen auch wirklich vollziehen zu können – so zum Beispiel die „humane Behandlung“ von Streunertieren. „Der derzeitige Entwurf entspricht nicht allen Erwartungen von VIER PFOTEN, aber es ist definitiv ein großer Schritt in die richtige Richtung für Streuner und Heimtiere in Europa.“, meint Sultana. Indem die Kontrolle und Festlegung von Zuständigkeiten verbessert wird, wird dieses neue Gesetz den Mitgliedsstaaten die Durchführung von systematischen Streuner-Tötungsprogrammen vermutlich erschweren, da diese meist ohne Transparenz oder vorherige Ansprache mit Stakeholdern wie NGOs, stattfinden.

Laut dem EU-Berichterstatter ist die finale Abstimmung über den neuen Entwurf im EU-Parlament vermutlich nur noch eine Formsache und soll diesen November stattfinden.


A major step forward for strays and companion animals in Europe has been reached within the last draft of the Animal Health Law

Brussels, 02.06.2015. Since the first draft of the Animal Health Law, the international animal welfare organisation FOUR PAWS has warned of the misuse of the term “wild” when referring to stray animals and the legal consequences. Monday evening, MEP Marit Paulsen (SW, ALDE), European Parliament’s rapporteur on the Animal Health Law, now renamed “European law on Transmissible Animal Diseases”, and EU Commissioner Andriukaitis presented the outcome of the agreement between the Parliament, the Council and the Commission. Even if the “wild” and “kept” definition will stay, a clause has been added, stating that stray animals are not wild animals, and that the critical definition of wild animals, as given by this description, will apply only to this law.

The new regulation will replace and encompass most of the present EU legislation on animal health. It distinguishes between those animals which are kept as pets and those which are stray without an owner kept, attributing homeless cats and dogs a lower level of legal protection than “kept” ones. It was feared that this could lead to legal grounds to kill strays. Now, by inserting the additional clause a compromise solution has been found and the draft explicitly distinguishing strays from the other non-kept animals.

Moreover, the draft includes other improvements for animal welfare: The very first article of the Animal Health Law implements a safeguard clause in cases of stray population management programs, stating not only that these programs have to be performed in a humane way avoiding pain and distress for the animals, but also that they have to be proportionate with the health risk. It is also now required that these programs have to be implemented in a transparent way and have to include stakeholder consultation.

The most progressive initiative implemented by this new law is the mandatory registration of all professional breeders and sellers of animals. “We welcome this initiative which will help to reduce irresponsible breeding, and in turn reduce overpopulation and abandonment of companion animals”, says Pierre Sultana, Director of FOUR PAWS European Policy Office.

Finally, the new law redefines some terms in the transposition of the Pet Passport Regulation to try to reduce the possibilities of the illegal puppy trade under the non-commercial movement scheme.

Despite these improvements, some problems are still unresolved. FOUR PAWS has concerns regarding the proper enforcement of some unclear terms and notions of the law, such as “humane treatment” of animals. “This agreed version of the Animal Health Law does not meet all FOUR PAWS expectations, but it is already a major step forward for strays and companion animals in Europe”, says Sultana. By increasing control and redefining responsibilities, this new law may limit Member States to adopt systematic culling programs of stray animals, which often take place without transparency and prior consultation with stakeholders and NGOs.

According to the Rapporteur, the final Parliamentary vote validating this compromise text should be a simple formality and should occur in November this year.

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